24111 Kiel, Rendsburger Landstraße 436
+49 431 12807082
kanzlei@grafkerssenbrock.com

Warum knurren manche Hunde grundlos?

Warum knurren manche Hunde grundlos?

Dackel vor dem Kamin

Auf der Verfassungswiese war es an diesem Abend still.
Draußen pfiff ein kalter Ostwind über das gefrorene Gras, zog an den kahlen Zweigen und ließ selbst die mutigsten Krähen früher schlafen gehen. Drinnen aber, vor dem warmen Kamin, hatte sich die Dackelbande eng zusammengerückt. Fell an Fell. Schulter an Schulter. So, wie man es tut, wenn man nicht nur Wärme sucht, sondern auch Antworten.

Ares lag vorne, die Nase auf den Pfoten, die Stirn leicht gerunzelt.
„Axel“, sagte er leise, „warum knurren manche Hunde draußen, wenn ich doch nur Hallo sagen will? Ich habe doch gar nichts Böses vor.“

Axel, schon etwas grauer um die Schnauze und mit jener ruhigen Würde, die nur Erfahrung verleiht, sah erst ins Feuer. Dann zu den Jüngeren.

„Weil Hunde oft nicht auf Hunde reagieren“, begann er langsam, „sondern auf die Signale ihrer Menschen.“

Die Flammen knackten zustimmend.

„Wenn ein Herrchen die Leine fester zieht, obwohl nichts passiert ist, sagt das nicht Vorsicht, sondern Gefahr. Wenn ein Frauchen stehen bleibt, den Atem anhält und die Schultern hochzieht, dann liest der Hund das nicht als Fürsorge, sondern als Alarm. Und wenn dabei noch gesagt wird: Oh nein, jetzt kommt der Dackel, dann ist die Botschaft vollständig.“

Bautz schnaubte leise.
„Dabei kommen wir doch immer ganz friedlich und freundlich.“

Axel nickte.
„Eben. Aber viele Menschen senden widersprüchliche Signale. Sie lächeln vielleicht, sind aber innerlich angespannt. Sie wollen Frieden, erwarten aber Ärger. Der Hund übernimmt diese Erwartung – präziser und schneller, als es Worte je könnten.“

Ares hob den Kopf.
„Und dann knurren sie mich an?“

„Dann verteidigen sie eine Situation, die gar nicht existiert“, sagte Axel ruhig. „Ein Missverständnis, das an der Leine beginnt und an den Zähnen endet.“

Eddi rückte näher an den Kamin.
„Und was machen wir dann?“

Axel lächelte, so weit ein Dackel eben lächeln kann.
„Wir bleiben wir selbst. Ruhig. Klar. Freundlich. Nicht jeder Knurrer gilt uns. Und nicht jedes Zähnefletschen ist eine echte Warnung. Manchmal ist es nur das Echo menschlicher Unsicherheit.“

Die Dackelbande kuschelte sich noch enger zusammen.
Draußen heulte der Ostwind, drinnen aber war es warm – und ein kleines Stück verständlicher.

Und Ares dachte:
Vielleicht ist Freundlichkeit manchmal einfach mutiger als Knurren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Translate »