Die Dackelbande und ein sehr warmer Tag auf der Verfassungswiese
Es war einer jener Sommertage, an denen selbst die Grillen beschlossen hatten, nur noch ganz langsam zu zirpen. Über der Verfassungswiese flimmerte die Luft. Das Thermometer am alten Kastanienbaum zeigte 32 Grad.
Ajax lag im Schatten der großen Eiche. Er hatte nicht einmal die Augen ganz geöffnet. Nur seine Ohren bewegten sich gelegentlich.
„Heute“, sagte er ruhig, „lernt man mehr durch Nichtstun als durch Rennen.“
Die anderen Dackel kamen nach und nach aus ihren schattigen Plätzen.
Ares – der Sportler
Ares hatte natürlich zuerst versucht, seinem blauen Ball hinterherzulaufen.
Nach kaum fünf Minuten blieb er mit weit herausgestreckter Zunge stehen.
„Ajax… der Ball kann heute ruhig einmal auf mich warten.“
Ajax nickte.
„Ein kluger Dackel kämpft nicht gegen die Sonne. Er sucht sich die Stunde aus, in der sie schwächer ist.“
Caius – der Denker
Caius hatte eine kleine Karte der Verfassungswiese gezeichnet.
„Seht einmal.“
Er zeigte mit der Pfote darauf.
„Hier wandert der Schatten der alten Eiche im Laufe des Tages. Wenn man das versteht, muss man gar nicht ständig umherlaufen.“
Die anderen staunten.
„Der Schatten bewegt sich genauso zuverlässig wie die Sonne.“
„Genau“, sagte Caius. „Wer nachdenkt, spart Kraft.“
Bautz – der Praktiker
Bautz hatte längst eine flache Mulde neben dem kleinen Bach gegraben.
Das Wasser sickerte langsam hinein.
„Das ist mein Dackelpool.“
Die anderen legten sich mit den Pfoten hinein.
„Nicht baden?“, fragte Arno.
„Nein“, erklärte Bautz.
„Nur die Pfoten kühlen. Dort verlaufen viele Blutgefäße. Das reicht oft schon aus.“
Ajax nickte anerkennend.
Lump – der Philosoph
Lump lag einfach unter einem Haselstrauch.
„Früher dachte ich immer, Mut bedeutet, immer weiterzulaufen.“
Er lächelte.
„Heute weiß ich: Manchmal besteht Mut darin, eine Pause zu machen.“
Ajax lächelte zurück.
„Wer seine Grenzen kennt, bewahrt seine Kraft.“
Eddi – der Entdecker
Eddi verschwand plötzlich.
Alle suchten ihn.
Nach einer Weile kam seine Stimme aus einem Brombeergebüsch.
„Hier drinnen ist es bestimmt fünf Grad kühler!“
Tatsächlich hatte er einen kleinen natürlichen Erdtunnel entdeckt.
Gaius – der Wissenschaftler
Gaius hatte beobachtet:
„Der Boden dort drüben auf der Wiese ist fast fünfzig Grad heiß.“
Er hielt eine Pfote kurz darauf.
„Aua!“
Dann zeigte er auf den Waldboden.
„Hier ist es angenehm kühl.“
Ajax erklärte:
„Die Erde unter Bäumen wird von den Wurzeln und dem Schatten geschützt. Deshalb sucht ein vernünftiger Dackel niemals den blanken Weg, wenn daneben ein schattiger Pfad liegt.“
Bossi – der Gelassene
Bossi hatte überhaupt keine Eile.
Er trank langsam.
Ganz langsam.
Dann setzte er sich wieder hin.
„Warum rennst du heute gar nicht?“, fragte Arno.
Bossi grinste.
„Weil ich morgen auch noch rennen kann.“
Axel – der Organisator
Axel hatte mehrere Wasserschüsseln auf der Verfassungswiese verteilt.
„Man soll nicht erst trinken, wenn man großen Durst hat.“
Jeder Dackel kam immer wieder vorbei und nahm ein paar Schlucke.
Arno – der Neue
Der kleine Berliner Zwergdackel wunderte sich.
„Bei uns hätte bestimmt einer gesagt: ‚Los! Wir schaffen das schon!’“
Ajax schüttelte freundlich den Kopf.
„Klug sein heißt nicht, alles auszuhalten.“
„Sondern?“
„Zu wissen, wann man seine Kräfte einsetzt.“
Opa Balder
Der alte Balder hatte den ganzen Tag kaum gesprochen.
Er lag im Schatten und beobachtete die jungen Dackel.
Erst am Abend, als die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwand, sagte er:
„Die Natur kennt keine Eile. Sie kennt nur den richtigen Zeitpunkt. Wer ihr zuhört, lebt länger und gesünder.“
Alle nickten.
Als die erste kühle Brise über die Verfassungswiese zog, faßte Ajax den Tag zusammen:
„Heute habt ihr alle etwas Wichtiges gezeigt.
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Ares hat gelernt, dass Ehrgeiz Pausen braucht.
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Caius hat mit Verstand die Wanderung des Schattens analysiert.
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Bautz wusste, wie Wasser kühlt.
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Lump erinnerte uns daran, dass Ruhe ebenfalls Stärke ist.
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Eddi fand neue schattige Wege.
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Gaius beobachtete aufmerksam die kühlende Funktion der Bäume.
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Bossi bewahrte Gelassenheit.
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Axel versorgte alle beständig mit Wasser.
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Arno stellte die richtigen Fragen.
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Balder erinnerte uns an die Erfahrung.
Die Verfassung schützt die Würde jedes Dackels. Doch die Natur erinnert uns daran, dass Würde auch bedeutet, gut auf sich selbst zu achten. Vernunft ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist die Kunst, die eigenen Kräfte so einzusetzen, dass sie auch morgen noch reichen.“
Die Dackelbande blickte in den rotgoldenen Abendhimmel.
Dann erhob sich Ajax langsam.
„Jetzt“, sagte er mit einem leichten Lächeln, „ist die richtige Zeit für einen kleinen Spaziergang.“
Und gemeinsam machten sich alle Dackel auf den Weg über die nun angenehm kühle Verfassungswiese – langsam, fröhlich und voller Vertrauen, dass auch ein heißer Tag vorübergeht, wenn man ihm mit Geduld, Gemeinschaft und Vernunft begegnet.

