Die Dackelbande und das große Herbstlaubvergnügen
Ares entdeckt seinen Beobachtungsposten
Der Herbst hatte auf der Verfassungswiese Einzug gehalten, und zwar mit einer solchen Farbenpracht, dass selbst Ajax, der sonst eher für die großen Fragen des Lebens und die Einhaltung der Dackelverfassung zuständig war, einen Augenblick staunend stehen blieb. Die alten Eichen hatten ihre Blätter in Goldgelb, Kupferrot und tiefes Braun verwandelt, der Wind hatte sie großzügig über die gesamte Wiese verteilt, und überall lagen wunderbare, raschelnde Laubteppiche. Für Menschen bedeutete das meistens Arbeit. Für die Dackelbande hingegen bedeutete es das größte Vergnügen des Jahres.
„Ich finde“, verkündete Ajax feierlich, während ihm ein gelbes Eichenblatt auf die Nase segelte, „der Herbst ist der überzeugende Beweis dafür, dass die Natur bisweilen Dinge ausschließlich zu unserer Freude veranstaltet.“
Lump, der neben ihm stand, fand diese Feststellung durchaus richtig, hielt allerdings eine ausführliche Diskussion darüber für überflüssig. Er hatte nämlich gerade einen besonders großen Laubhaufen entdeckt. Mit einem begeisterten Satz verschwand er darin. Einen Augenblick lang war von ihm überhaupt nichts mehr zu sehen. Dann begann der gesamte Haufen zu wackeln, ein paar Blätter flogen in die Luft, und schließlich erschien eine schwarze, struppige Dackelnase zwischen zwei braunen Eichenblättern. Lump nieste, schüttelte sich und sprang sofort wieder hinein.
„Das ist herrlich!“, rief er aus dem Laub. „Hier kann man buddeln, ohne dass hinterher jemand etwas von Löchern im Rasen erzählt!“
Axel hatte unterdessen eine andere Methode entwickelt. Er nahm Anlauf, rannte mit seinen kurzen Beinen so schnell er konnte über die Wiese und sprang mitten in einen Laubhaufen hinein. Dabei wirbelten die Blätter in alle Richtungen. Dann rannte er wieder heraus, drehte eine große Runde und wiederholte das Ganze. Für Axel war das Herbstlaub eine Art natürlicher Hindernisparcours, bei dem es weder Regeln noch Geschwindigkeitsbegrenzungen gab.
Balder, der älteste Dackel der Bande, betrachtete das Treiben zunächst mit der Gelassenheit eines Hundes, der schon viele Herbste erlebt hatte. Seine weißen Haarringe um die Augen verliehen ihm einen besonders würdevollen Ausdruck. Schließlich entdeckte er unter einer alten Eiche eine Stelle, an der die Blätter besonders weich und trocken lagen. Mit großer Sorgfalt schob er sie mit der Nase zusammen, drehte sich dreimal im Kreis und ließ sich dann genüsslich hineinplumpsen.
„Seht ihr“, erklärte er zufrieden, „man muss im Herbst nicht immer herumrennen. Man kann sich auch einfach hineinlegen und die Welt genießen.“
Das hätte eine sehr weise Bemerkung bleiben können, wenn nicht gerade in diesem Augenblick ein besonders kräftiger Windstoß gekommen wäre, der Balder einen ganzen Schwall Blätter über den Kopf wehte. Nur noch seine Nase und die weißen Augenringe waren zu erkennen. Die anderen Dackel lachten, und Balder lachte mit.
Bossi hatte inzwischen eine eigene Beschäftigung gefunden. Er jagte einzelne Blätter, die der Wind über den Boden trieb. Besonders die großen Eichenblätter hatten es ihm angetan. Kaum bewegte sich eines, setzte er hinterher, packte es mit dem Maul und trug es stolz einige Meter weit. Dann ließ er es wieder los, wartete auf den nächsten Windstoß und begann die Jagd von Neuem. Dass ein Blatt keinerlei Absicht hatte, ihm davonzulaufen, störte Bossi nicht im Geringsten.
Caius dagegen machte aus dem Herbstvergnügen eine regelrechte Kunst. Er stand regungslos neben einem Laubhaufen, eine Vorderpfote elegant erhoben, und beobachtete ein einzelnes Blatt, das vom Wind über den Boden bewegt wurde. Niemand wusste besser als Caius, wie man sich vollkommen still verhielt, um im entscheidenden Moment zuzustoßen. Schließlich sprang er mit seiner berühmten Präzision vorwärts und landete genau auf dem Blatt.
„Getroffen!“, rief Eddi begeistert.
Caius blickte zufrieden auf seine Beute. „Eine gute Jagdtechnik funktioniert eben auch bei Eichenblättern“, stellte er fest.
Eddi selbst hielt nicht viel von solchen Vorbereitungen. Er hatte entdeckt, dass man mit genügend Geschwindigkeit einen ganzen Laubhaufen vor sich herschieben konnte. Also rannte er hinein, bremste mit den Vorderpfoten und schob eine kleine Welle brauner Blätter über die Wiese. Als er feststellte, dass diese Technik auf abschüssigem Gelände noch besser funktionierte, war er kaum mehr zu bremsen.
Gaius hingegen hatte ein ganz anderes Interesse. Er sammelte bekanntlich leidenschaftlich gern Stöcke, und im Herbst lagen zwischen all den Blättern besonders viele kleine Äste, die der Wind von den Bäumen geschüttelt hatte. So begann er zunächst damit, einzelne Stöcke aus dem Laub zu ziehen. Doch dann entdeckte er, wie wunderbar es war, die Blätter mit einem langen Stock durcheinanderzuwirbeln.
„Ich habe einen Laubbesen erfunden!“, verkündete er stolz.
„Du hast einen Stock gefunden“, entgegnete Lump, der gerade mit einem Eichenblatt auf dem Kopf vorbeikam.
„Das ist der Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Dackel und einem Erfinder“, erwiderte Gaius. „Der eine sieht einen Stock, der andere erkennt seine Möglichkeiten.“
Bautz hatte inzwischen die größte Freude daran gefunden, gemeinsam mit den anderen Dackeln durch die besonders hohen Laubhaufen zu springen. Er suchte sich einen Hügel aus bunten Blättern, verschwand darin, tauchte an einer völlig anderen Stelle wieder auf und freute sich jedes Mal, wenn er damit einen seiner Freunde überraschen konnte. Einmal blieb er sogar so lange unter dem Laub verborgen, dass Lump neugierig herankam, um nachzusehen. Genau in diesem Augenblick sprang Bautz hervor, und Lump machte vor Schreck einen Satz rückwärts, der ihm selbst so komisch vorkam, dass er anschließend vergnügt um Bautz herumtanzte.
Nur einer fehlte bei diesem ausgelassenen Durcheinander.
Ares.
Der junge, neugierige Dackel hatte zwar zunächst ebenfalls begeistert mit den Blättern gespielt, aber dann etwas entdeckt, das ihm noch viel interessanter erschien.
Am Rande der Verfassungswiese stand ein großer dunkelgrüner Laubsack. Er war eigentlich dafür gedacht, das zusammengeharkte Herbstlaub aufzunehmen. Allerdings stand er noch leer und war seitlich etwas zusammengesunken, sodass seine große Öffnung wie der Eingang einer geheimnisvollen Höhle aussah.
Ares blieb davor stehen.
Er betrachtete den Sack von links, dann von rechts. Er schnupperte vorsichtig hinein, schob seine Nase etwas weiter vor und stellte fest, dass der Sack nicht nur trocken und gemütlich war, sondern auch einen ausgezeichneten Blick auf die gesamte Verfassungswiese bot.
Das war eine Entdeckung!
Mit einem kleinen Satz kletterte Ares hinein. Der Sack raschelte, die Seitenwand bewegte sich, und für einen kurzen Augenblick verschwand der junge Dackel vollständig darin. Dann erschien sein dunkler, struppiger Kopf wieder in der Öffnung.
Ares setzte sich zurecht.
Er schob ein paar Blätter mit den Vorderpfoten unter seinen Bauch, lehnte sich an die grüne Sackwand und blickte hinaus.
Von hier aus konnte er alles beobachten: Lump, der wieder einmal in einem Blätterberg verschwand, Axel bei seinen rasanten Sprüngen, Caius bei seiner eleganten Blattjagd und Eddi, der gerade einen halben Laubhaufen quer über die Wiese schob. Sogar Balder unter seiner Eiche konnte er sehen.
„Das ist ja viel besser als ein gewöhnlicher Platz auf der Wiese“, murmelte Ares zufrieden. „Ich habe ein eigenes Herbstbeobachtungszentrum!“
Eine ganze Weile bemerkte niemand seine neue Unterkunft. Erst als Bautz nach seinem Freund suchte, fiel ihm der merkwürdige dunkle Kopf auf, der aus dem großen grünen Sack herausragte.
„Ares!“, rief er überrascht. „Was machst du denn da drin?“
„Ich beobachte“, antwortete Ares.
„Was denn?“
„Euch.“
Bautz legte den Kopf schief. „Aber warum spielst du nicht mit?“
Ares überlegte kurz. „Weil man manchmal viel mehr Spaß hat, wenn man sieht, wie die anderen Spaß haben. Außerdem ist es hier wunderbar gemütlich.“
Bautz schaute in den Sack. „Ist noch Platz für mich?“
Ares prüfte die räumlichen Verhältnisse mit einem ernsten Blick. „Vielleicht. Aber nur, wenn du nicht wackelst. Es handelt sich um einen Beobachtungsposten und nicht um einen Tobesack.“
Natürlich wollte sich Bautz davon selbst überzeugen. Er steckte seine Vorderpfoten in den Sack, schob den Kopf neben Ares und betrachtete die Wiese.
In diesem Augenblick kam Axel mit voller Geschwindigkeit vorbeigerannt, gefolgt von Lump, der ein besonders großes Eichenblatt im Maul trug. Eddi sprang hinterher, Bossi jagte ein fliegendes Blatt, und Caius setzte mit einem eleganten Satz über einen kleinen Laubhügel.
„Du hast recht“, flüsterte Bautz. „Von hier sieht das alles wirklich wunderbar aus.“
Leider hatte der Laubsack für zwei begeisterte Dackelbeobachter eine entscheidende Schwäche: Er war nicht für derart lebhafte Bewohner gebaut.
Als Bautz sich etwas bequemer hinsetzen wollte und Ares gleichzeitig seinen Kopf nach links drehte, kippte der ganze Sack langsam zur Seite.
Erst ganz langsam.
Dann ein bisschen schneller.
Und schließlich rollten Ares, Bautz und eine stattliche Menge Herbstlaub gemeinsam heraus.
Die beiden Dackel landeten mitten in einem weichen Blätterberg. Einen Augenblick lang sah man nur ihre Nasen. Dann erschienen vier fröhliche Augen, und beide begannen vor Vergnügen zu bellen.
Die übrige Dackelbande kam sofort herbeigelaufen.
„Was ist denn hier passiert?“, fragte Ajax, der das Geschehen mit einiger Verwunderung betrachtete.
„Ein Einsturz unseres Beobachtungszentrums“, erklärte Ares. „Vermutlich wegen Überbelegung.“
„Dann brauchen wir eine neue Bauordnung!“, rief Gaius.
„Oder einen größeren Sack!“, ergänzte Lump.
„Oder wir lassen Ares einfach seinen Platz“, schlug Balder vor.
Das erschien allen vernünftig. Bautz half Ares, den großen grünen Sack wieder aufzurichten. Gemeinsam schoben sie ein paar trockene Blätter hinein, und Ares nahm erneut auf seinem besonderen Beobachtungsposten Platz.
Diesmal ganz allein.
Und während die anderen Dackel weiterhin ausgelassen durch das bunte Herbstlaub sprangen, saß Ares zufrieden in seiner grünen Höhle und beobachtete das fröhliche Treiben.
Die Abendsonne fiel durch die gelben und roten Blätter der alten Eichen. Immer wieder löste sich eines von einem Ast, schwebte langsam zu Boden und gesellte sich zu den vielen Tausend anderen. Die ganze Verfassungswiese raschelte, leuchtete und duftete nach Herbst.
Schließlich kam Ajax zu Ares und setzte sich neben den großen Laubsack.
„Weißt du, Ares“, begann er nachdenklich, „ich glaube, heute haben wir wieder etwas Wichtiges gelernt.“
Ares blickte neugierig aus seiner grünen Höhle.
„Was denn, Ajax?“
„Dass sich nicht alle Dackel auf dieselbe Weise freuen müssen. Der eine rennt, der andere springt, einer sammelt, einer jagt, einer ruht sich aus und einer schaut einfach nur zu. Und trotzdem haben alle gemeinsam einen wunderbaren Tag.“
Ares dachte darüber nach.
„Dann ist es also auch in Ordnung, wenn ich hier in meinem Sack sitze?“
„Selbstverständlich“, antwortete Ajax. „Schließlich haben wir auf der Verfassungswiese unsere eigene Verfassung. Und die schützt nicht nur die Freiheit, gemeinsam herumzutoben, sondern auch die Freiheit, sein Glück auf ganz eigene Weise zu finden.“
„Sehr gut“, sagte Ares zufrieden. „Dann erkläre ich diesen Sack hiermit zu meiner persönlichen Herbstresidenz.“ Ajax schmunzelte. „Solange du nicht auf die Idee kommst, die gesamte Laubernte zu deinem Eigentum zu erklären.“ „Nein“, erwiderte Ares großzügig. „Die Blätter dürfen alle anderen behalten. Mir reicht der Sack.“
Und so endete ein wunderbarer Herbsttag auf der Verfassungswiese: mit zehn glücklichen Dackeln, Tausenden bunten Blättern und einem kleinen dunkelhaarigen Rauhaardackel, der herausgefunden hatte, dass man manchmal den schönsten Platz der Welt ausgerechnet dort findet, wo andere nur einen Laubsack sehen.

