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Ares und die Kunst des Verlierens

Ares und die Kunst des Verlierens

Auf der Verfassungswiese war an diesem Tag alles in Bewegung. Das Gras wogte im Wind, die Wolken zogen gemächlich dahin – und mittendrin stand Ares. Noch ein Welpe, voller Energie, voller Mut und vor allem voller Überzeugung: Verlieren kam für ihn nicht infrage.

Bautz, sein Bruder, hatte ihn zur wilden Jagd herausgefordert. Ein kurzer Blick, ein spielerisches Knurren – dann ging es los. Pfoten trommelten über den Boden, Grasbüschel flogen, und Ares gab alles. Er rannte, so schnell er konnte, mit klopfendem Herzen und hoch erhobenem Kopf.

Doch Bautz war älter. Schneller. Geschickter.
Nach wenigen Minuten hatte er Ares eingeholt und sanft, aber eindeutig gefangen.

Ares blieb stehen.
Sein Stolz stolperte schneller als seine Pfoten.

Er knurrte leise, die Stirn in Falten gelegt. Nicht aus Bosheit, sondern aus Enttäuschung. Es war einfach zu schnell gegangen. Zu leicht. So hatte er sich das nicht vorgestellt.

In diesem Moment trat Ajax aus dem Schatten eines alten Baumes. Langsam, ruhig, mit jener Würde, die ihn auf der Verfassungswiese umgab wie ein unsichtbarer Mantel. Die anderen Dackel hielten inne.

Ajax sah Ares an – nicht streng, nicht belehrend, sondern aufmerksam.

„Verlieren“, sagte Ajax ruhig, „ist keine Niederlage. Es ist ein Unterricht.“

Ares blickte auf. Noch immer leicht beleidigt, aber neugierig.

„Wer nie verliert“, fuhr Ajax fort, „lernt nicht aufzustehen. Und wer nicht aufsteht, wird niemals wirklich stark. Würde zeigt sich nicht darin, immer zu gewinnen – sondern darin, nach dem Hinfallen wieder loszulaufen.“

Bautz setzte sich neben Ares. Kein Spott, kein Triumph. Nur Nähe.

Ares atmete tief durch. Das Knurren verschwand. Er schüttelte sich, als würde er den Ärger aus dem Fell werfen, und hob den Kopf ein kleines Stück höher als zuvor.

Auf der Verfassungswiese wurde es wieder lebendig.
Die Jagd war vorbei – aber Ares hatte etwas Wichtiges gewonnen.

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