Caius – Würde auf dem Eis
Caius war ein besonderer Rauhaardackel.
Er wusste das. Und an manchen Tagen wusste er es ganz besonders.
Mehrmals im Jahr – nicht oft, aber verlässlich – stellte sich bei Caius ein Gefühl ein, das selbst Ajax respektvoll zur Kenntnis nahm: Caius fühlte sich wie ein König. Nicht laut, nicht prahlerisch, sondern mit jener stillen, selbstverständlichen Würde, die keinen Beweis braucht.
Normalerweise mied Caius Wasser wie eine schlecht platzierte Pfütze. Regen war unerquicklich, Teiche waren suspekt, und nasses Fell eine Zumutung. Wasser hatte sich gefälligst an Regeln zu halten – und diese Regeln lauteten: Abstand.
Doch im Winter geschah auf der Verfassungswiese etwas Besonderes.
Wenn der Frost mehrere Nächte hintereinander ernst machte, wenn der Wind die Bäume scharf zeichnete und die Wiese knirschte, dann fror der Teich zu. Still. Glatt. Einmalig.
An genau solchen Tagen blieb Caius vor dem Teich stehen.
Er schaute den Teich an.
Er schaute sein Spiegelbild im Eis an.
Und dann tat er etwas, das kein Dackel mit Verstand eigentlich tun sollte.
Er setzte eine Pfote auf das Eis.
Kein Platschen.
Kein Zittern.
Kein nasses Unglück.
Das Eis hielt.
Caius richtete sich auf. Sein Rücken spannte sich, der Kopf ging leicht nach oben, der Blick wurde weit. Dann schritt er los – mitten über den Teich. Langsam. Bedacht. Würdevoll.
Die Dackelbande schaute bewundernd zu.
Bautz vergaß zu bellen.
Ares vergaß zu springen.
Eddi vergaß sogar zu schnüffeln.
Ajax setzte sich.
Caius lief über das Wasser, ohne nass zu werden. Genau dort, wo im Sommer Enten schwammen und Frösche quakten, ging er jetzt wie ein König über sein Reich. Kein Ausrutschen, kein Zögern – nur ruhige Schritte und das leise Knacken des Eises unter senen Pfoten, daß Gaius für seine Trittsicherheit perfekt einordnen konnte.
In der Mitte des Teiches angekommen, blieb Caius stehen. Er drehte sich um. Sah die Bande an. Sagte nichts.
Das musste er auch nicht.
Ajax nickte langsam.
„Würde zeigt sich nicht im Anspruch“, sagte er ruhig. „Sondern darin, einen besonderen Moment zu erkennen – und ihn ohne Aufhebens zu nutzen.“
Caius schüttelte sich einmal – trocken wie eh und je – und trottete weiter, als wäre nichts Besonderes geschehen.
Aber die Dackelbande wusste es besser.
Und jedes Mal, wenn der Teich im Winter wieder zufror, schauten alle zuerst zu Caius.

