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Der erste Sommertag auf der Verfassungswiese

Der erste Sommertag auf der Verfassungswiese

Die Dackelbande

Die Sonne stand schon früh hoch über der Verfassungswiese. Kein zögerliches Frühlingslicht mehr, sondern ein klarer, warmer, entschlossener Sommertag. Das Gras duftete kräftig, die Luft flirrte leicht, und irgendwo summten die ersten dicken Hummeln ihre langsamen Kreise.

Die Dackelbande wusste: Das war kein gewöhnlicher Tag.

Ajax trat als Erster auf die Wiese. Langsam, mit erhobenem Kopf und diesem ruhigen Ernst, der ihn auszeichnete. Er prüfte die Lage – nicht aus Misstrauen, sondern aus Verantwortung. Die Verfassungswiese war kein Ort des Zufalls. Sie war der Ort, an dem alles seinen Platz hatte.
Dann setzte er sich in die Sonne. Still. Wach. Zufrieden.

Caius hingegen hatte keine Zeit für stille Betrachtung. Kaum war er draußen, raste er im Zickzack über die Wiese, als müsse er jeden einzelnen Grashalm persönlich begrüßen. Für ihn war der Sommer kein Zustand, sondern ein Ereignis. Und heute war der Auftakt.

Bautz suchte sich sofort den Halbschatten unter dem alten Apfelbaum. Mit einem tiefen Seufzer ließ er sich nieder. Sommer bedeutete für Bautz: Wärme genießen, aber klug dosiert. Er beobachtete alles mit halb geschlossenen Augen – nichts entging ihm, auch wenn es so aussah.

Lump hingegen hatte aus dem letzten Jahr gelernt. Er näherte sich vorsichtig dem großen Wassernapf, den jemand am Rand der Wiese aufgestellt hatte. Ein kurzer Blick nach links. Nach rechts. Dann trank er. Diesmal ohne Hast. Ohne Gier. Und mit einem kleinen, kaum sichtbaren Nicken – als hätte er sich selbst bestätigt.

Ares war aufgeregt. Nicht hektisch, sondern wach. Er hatte sofort bemerkt, dass sich etwas verändert hatte. Die Luft roch anders. Reifer. Tiefer. Er lief zu Ajax.
„Das ist er, oder?“
Ajax nickte nur. Mehr brauchte es nicht.

Eddi hatte bereits begonnen, eine kleine Mulde in die Erde zu scharren. Perfekt temperiert, genau richtig für einen Sommertag. Als er sich hineinlegte, schaute er zufrieden in den Himmel. Praktischer konnte man Sommer kaum gestalten.

Gaius hingegen hatte sich ein Stück weiter ins hohe Gras zurückgezogen. Dort lag er und beobachtete die Bewegung der Halme im Wind. Für ihn war der Sommer kein Lärm, sondern ein Rhythmus. Und diesen hörte er genau.

Bossi stand am Rand der Wiese, breitbeinig, ruhig. Er achtete darauf, dass alles seinen geordneten Gang ging. Kein Streit, kein unnötiges Gedränge. Wenn Sommer Freiheit bedeutete, dann bedeutete er für Bossi zugleich Verantwortung.

Axel, der Älteste nach Balder, bewegte sich langsamer als die anderen. Aber jeder Schritt war bewusst gesetzt. Er legte sich in die Sonne, schloss die Augen und ließ die Wärme wirken. Für ihn war dieser Tag kein Anfang – sondern ein weiterer kostbarer Abschnitt in einer langen Reihe von Sommern.

Und dann war da noch Opa Balder.

Er lag ein wenig erhöht auf der kleinen Kuppe am Rand der Wiese. Von dort konnte er alles sehen. Die Bewegung, die Ruhe, das Spiel, die Ordnung.
Ares kam zu ihm hinauf und setzte sich neben ihn.

„Ist das der Sommer?“ fragte er leise.

Balder lächelte, ohne die Augen ganz zu öffnen.

„Nein“, sagte er ruhig.
„Das ist nur der erste Tag. Der Sommer ist das, was ihr daraus macht.“

Unten auf der Wiese jagte Caius einem Schatten hinterher, Lump trank ein zweites Mal – diesmal ohne zu schauen –, und Ajax saß noch immer ruhig in der Sonne.

Und über allem lag dieses eine, klare Gefühl:

Dass alles genau so war, wie es sein sollte.

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