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Bautz und Ares – Von der stillen Kunst der Solidarität

Bautz und Ares – Von der stillen Kunst der Solidarität

Dackel und die hunrigen Enten

Acht Wochen Frost hatten die Verfassungswiese verändert. Der Teich war zu einer weißen Fläche erstarrt, das Schilf stand hart und unbeweglich, und die Enten suchten vergeblich nach offenem Wasser und Futter. Der Winter hatte nicht nur Kälte gebracht, sondern Knappheit.

An diesem Morgen gingen Bautz und sein kleiner Bruder Ares gemeinsam spazieren. Bautz trug einen Beutel mit körnigen Haferflocken im Maul, sorgfältig zusammengerollt, als wisse er genau, was heute wichtig war. Ares hüpfte zunächst unruhig nebenher, die Nase voller neuer Gerüche, der Kopf voller Tatendrang.

Als sie den Teich erreichten, kamen die Enten langsam näher. Vorsichtig, prüfend, mit einem Hunger, der Geduld gelernt hatte. Bautz setzte sich sofort. Still. Würdevoll. Er sah Ares an, nicht streng, sondern ruhig.
„Jetzt nicht rennen“, sagte dieser Blick. „Jetzt warten.“

Bautz legte die Haferflocken auf den Boden und blieb sitzen. Keine Bewegung. Kein Laut. Die Enten begannen zu fressen, erst zögerlich, dann mit wachsender Sicherheit. Ares wollte aufspringen, wollte hinterher, wollte Teil der Bewegung sein. Doch Bautz blieb sitzen. Und Ares blieb bei ihm.

Minute um Minute verging. Die Enten fraßen. Alle. Keine wurde verdrängt, keine blieb zurück. Erst als der letzte Schnabel sich hob, stand Bautz auf.

Ares hatte nichts gesagt. Er hatte nur gesessen. Und verstanden.

Auf dem Rückweg war Ares ruhiger als sonst. Er ging dicht neben Bautz, den Kopf ein wenig gesenkt, nicht müde, sondern nachdenklich. Solidarität, so hatte er gelernt, ist kein lautes Tun. Sie ist das Zurücknehmen der eigenen Bewegung, damit andere genug haben. Sie ist Geduld in Zeiten der Knappheit. Und manchmal bedeutet sie einfach, still zu sitzen, bis alle fressen können.

Bautz bellte leise, zufrieden. Er wusste: Diese Lektion würde bleiben.

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