Gaius und Eddi – Das große Spiel auf der Verfassungswiese
Die Verfassungswiese lag im warmen Frühlingslicht, und der Wind strich sanft durch das trockene Gras. Für die meisten der Dackelbande war es ein Tag wie jeder andere.
Für Gaius und Eddi jedoch war es Spieltag.
Fast gleich alt, fast gleich groß – aber in ihrer Leidenschaft für das Ballspielen grundverschieden. Gaius war konzentriert, wachsam und stand wie eine kleine dunkle Mauer zwischen zwei umgefallenen Ästen, die als Tor dienten. Er liebte es, Bälle zu halten. Er sprang, drehte sich, warf sich ins Gras – und fing mit erstaunlicher Sicherheit alles, was auf ihn zuflog.
Eddi hingegen war Sturm.
Er jagte den Ball mit der Nase, als sei er ein kleiner Wirbelwind auf vier Pfoten. Mit tiefem Atemstoß und schnellen Schritten schob er den Ball über die Wiese, drückte ihn mit der Schnauze nach vorn, immer schneller, immer entschlossener. Für ihn war Geschwindigkeit kein Mittel – sondern ein Ziel.
„Bereit?“ bellte Eddi.
Gaius spannte sich, die Ohren leicht angelegt. „Immer.“
Und so begann es.
Der Ball rollte. Eddi setzte nach. Mit rasender Geschwindigkeit trieb er ihn über die Wiese, die Nase dicht am Leder, die Augen funkelnd. Gaius sprang, blockte, parierte. Staub wirbelte. Beide kämpften. Es war kein Gegeneinander – es war ein gemeinsames Brennen für das Spiel.
Doch an diesem Tag wollten sie irgendwie mehr.
Noch schneller.
Noch wilder.
Eddi senkte den Kopf tiefer als sonst und rollte den Ball mit aller Kraft vor sich her. Plötzlich jaulte Eddi auf.
Der Ball rollte weiter. Eddi blieb stehen.
Gaius war sofort bei ihm.
An Eddis Nase hatte sich Fell gelöst, die Haut war aufgeschürft, ein dünner roter Streifen zog sich über die empfindliche Stelle. Es blutete leicht.
Eddi blinzelte überrascht. Nicht aus Schmerz – sondern aus Unverständnis. Wie konnte das Spiel ihn verletzen?
Die übrige Dackelbande war inzwischen herangekommen. Und schließlich trat Ajax ruhig aus dem Schatten der alten Eiche.
Er betrachtete Eddis Nase, dann den Ball, dann die beiden jungen Dackel.
„Leidenschaft ist eine große Kraft“, sagte Ajax mit ruhiger Stimme. „Sie trägt uns weit. Aber wer sie nicht führt, wird von ihr geführt.“
Eddi senkte den Blick.
Ajax setzte sich neben ihn.
„Mut bedeutet nicht, immer schneller zu werden. Mut bedeutet auch, rechtzeitig langsamer zu werden.“
Gaius nickte ernst. Er hatte das Zittern in Eddis Atem gespürt.
Ajax sah über die Verfassungswiese.
„Ein gutes Spiel endet nicht dort, wo man alles gegeben hat – sondern dort, wo man morgen wieder spielen kann.“
Eddi hob vorsichtig den Kopf. Die Nase brannte, aber er verstand:
Der Ball lag noch im Gras, und morgen würde er ihn langsamer rollen und rechtszeitig aufhören.

