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Endlich – der Schnee ist geschmolzen

Endlich – der Schnee ist geschmolzen

 

Wo noch vor wenigen Tagen eine weiße Decke lag, breitet sich nun wieder die Verfassungswiese aus – sattgrün, lebendig, voller Erwartung. Und mittendrin sitzen sie: Bautz und Ajax, die beiden dunkelhaarigen Rauhaardackel mit dem wachen Blick für das Wesentliche.

Ajax schnuppert. Sehr konzentriert.
Er besitzt – wie alle wissen – eine besondere Profession für Pflanzen. Keine Knospe bleibt von ihm unbeachtet. Er prüft mit der Nase, was treibt, was wächst, was bald blühen wird. Ein Hauch von Krokus. Ein Erwachen von Tulpen. Ein leiser Duft von jungem Gras.

Bautz sitzt daneben. Aufrecht. Wachsam.
Denn mit dem Tauwetter beginnt nicht nur das Wachstum – sondern auch das Interesse der Rehe. Und Rehe, so freundlich sie wirken mögen, haben eine ausgeprägte Vorliebe für genau jene frischen Knospen, die Ajax mit solcher Hingabe begutachtet.

So verbringen die beiden nun täglich viele Stunden mitten auf der Wiese.
Nicht aus bloßer Spielfreude, sondern mit einer klaren Aufgabe. Sie sitzen meist nebeneinander, das dunkle, struppige Fell im Frühlingslicht, aufmerksam und ruhig. Ihre Wachsamkeit ist unspektakulär – kein Bellen ohne Anlass, kein überstürztes Lossprinten. Präsenz genügt.

Sobald sich am Waldrand etwas regt, hebt Bautz den Kopf und richtet sich auf. Sein Blick ist konzentriert, prüfend. Er kennt inzwischen die üblichen Bewegungsmuster der Rehe und unterscheidet genau zwischen harmloser Entfernung und bedenklicher Annäherung.

Ajax hingegen widmet sich den Pflanzen selbst. Wenn eine junge Knospe im Wind schwankt, tritt er näher, schnuppert sorgfältig und kontrolliert mit ernsthafter Miene, ob der zarte Trieb standhält. Er versteht etwas von Wachstum – zumindest bildet er sich das mit überzeugender Entschiedenheit ein. Für ihn ist jede neue Blüte ein Ereignis, das Aufmerksamkeit verdient.

Ihre Aufgabe ist leise, aber wesentlich. Die jungen Pflanzen sind noch nicht widerstandsfähig. Ein einziger unachtsamer Verbiss könnte Wochen des Wachsens zunichtemachen. Schutz in dieser Phase bedeutet nicht Übertreibung, sondern Verantwortung. Und Geduld ist Voraussetzung dafür, dass aus einem unscheinbaren Trieb tatsächlich eine Blume wird.

Manchmal sagt Bautz mit nüchterner Klarheit:

„Wer nur nimmt, vergißt, daß morgen dann nichts mehr wächst.“

Ajax antwortet, ohne den Blick vom Boden zu lösen:

„Und wer schützt, darf nicht vergessen, dass Stärke nur entsteht, wenn man irgendwann wieder loslässt.“

Dann sitzen sie wieder nebeneinander und beobachten die Wiese. Äußerlich scheint wenig zu geschehen. Doch sie wissen: Unter der Erde arbeiten Wurzeln, sammeln sich Kräfte, ordnen sich Prozesse.

Der Frühling stellt sich nicht von selbst ein. Er ist das Ergebnis eines empfindlichen Gleichgewichts zwischen Wachsen und Bewahren, zwischen Nutzen und Zurückhaltung.

Bautz und Ajax bewachen daher nicht bloß ein paar Knospen.
Sie achten darauf, dass Entwicklung möglich bleibt –
und dass Maßhalten die Voraussetzung für Zukunft ist.

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