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Arno auf der Verfassungswiese

Arno auf der Verfassungswiese

Arno aus Berlin

An einem sonnigen Vormittag lag die Verfassungswiese still und friedlich da. Der Teich glitzerte, die alten Eichen rauschten leise im Wind, und die Dackelbande hatte sich wie so oft um Ajax versammelt.

Doch an diesem Tag war etwas anders.

Am Rand der Wiese stand ein kleiner Dackel, deutlich kleiner als die anderen. Sein Fell war dunkel und struppig, seine Ohren hingen etwas unsicher herab, und sein Blick wanderte vorsichtig von einem Dackel zum nächsten.

„Wer ist das?“, fragte Ares neugierig.

„Das ist Arno“, sagte Ajax. „Er kommt aus Berlin.“

Der kleine Dackel nickte schüchtern.

„Hallo“, sagte er leise.

Normalerweise wäre Ares sofort losgerannt und hätte hundert Fragen gestellt. Doch Balder legte ihm eine Pfote auf die Schulter.

„Langsam“, sagte der alte Dackel lächelnd. „Nicht jeder kommt so leicht auf eine fremde Wiese wie du.“

Arno blieb zunächst am Rand stehen.

Er sah die große Runde aus Ajax, Balder, Bautz, Lump, Ares, Eddi, Gaius, Bossi, Axel und Caius.

Alle schienen sich seit Ewigkeiten zu kennen.

Er selbst fühlte sich klein.

Sehr klein.

Vielleicht lag es daran, dass er tatsächlich ein Zwergdackel war.

Vielleicht lag es aber auch daran, dass er niemanden kannte.

Ajax bemerkte seinen Blick.

Der Hüter der Verfassungswiese erhob sich und ging langsam zu ihm.

„Weißt du, Arno“, sagte er freundlich, „jeder Dackel, der heute hier sitzt, war einmal neu.“

„Wirklich?“, fragte Arno.

„Natürlich“, antwortete Ajax.

„Sogar Lump?“

„Sogar Lump.“

„Und Ares?“

„Ganz besonders Ares.“

Die Dackelbande lachte.

Ares grinste.

„Damals habe ich am ersten Tag versucht, einen Frosch zu fangen und bin stattdessen in den Teich gefallen.“

„Dreimal“, ergänzte Eddi.

„Viermal“, korrigierte Balder.

Nun musste selbst Arno ein wenig lächeln.

Ajax führte ihn zur großen Eiche in der Mitte der Wiese.

„Hier treffen wir uns.“

„Und was macht ihr hier?“, fragte Arno.

„Wir lernen.“

Arno schaute verwundert.

„Auf einer Wiese?“

„Ja“, sagte Balder. „Die besten Dinge lernt man nicht in geschlossenen Räumen.“

„Was lernt ihr denn?“

Ajax setzte sich.

„Wir lernen, was Würde bedeutet.“

„Was Freiheit bedeutet.“

„Warum jeder Dackel gleich viel wert ist.“

„Warum man andere ausreden lässt.“

„Warum Macht Grenzen braucht.“

„Warum man Fehler machen darf.“

„Und warum niemand ausgeschlossen werden soll.“

Arno dachte einen Moment nach.

„Das klingt wie eine Verfassung.“

Ajax nickte.

„Genau deshalb heißt sie Verfassungswiese.“

Der kleine Zwergdackel schaute auf das Gras.

„Aber ich bin doch nur ein kleiner Dackel.“

Nun wurde Ajax ernst.

„Arno.“

„Ja?“

„Hier gibt es keine ’nur‘-Dackel.“

Die anderen nickten zustimmend.

„Die Würde eines Dackels hängt nicht von seiner Größe ab.“

„Nicht von seiner Kraft.“

„Nicht von seinem Alter.“

„Nicht davon, woher er kommt.“

„Nicht davon, ob er laut oder leise ist.“

Balder ergänzte:

„Und auch nicht davon, ob er aus Berlin kommt.“

Wieder musste die ganze Bande lachen.

Zum ersten Mal lachte Arno mit.

Die Anspannung begann zu verschwinden.

Am Nachmittag zeigte Ares ihm den Teich.

Bautz erklärte die Regeln der Wiese.

Gaius erzählte von den langen Diskussionen unter den Sternen.

Eddi führte ihn zu seinem Lieblingsplatz am Bach.

Und Lump teilte sogar seinen Nachmittagskeks mit ihm.

Das galt auf der Verfassungswiese als außergewöhnlich großzügig.

Als die Sonne langsam unterging und der Himmel sich golden färbte, saßen alle Dackel gemeinsam auf dem Hügel.

Arno blickte in die Runde.

Nun fühlte sich alles anders an.

Nicht mehr fremd.

Nicht mehr unsicher.

Nicht mehr klein.

Ajax bemerkte seinen Blick.

„Und?“, fragte er.

„Wie gefällt dir die Verfassungswiese?“

Arno dachte kurz nach.

Dann sagte er:

„Ich glaube, ich habe heute etwas Wichtiges gelernt.“

„Was denn?“, fragte Balder.

Der kleine Zwergdackel schaute über die Wiese.

„Eine Gemeinschaft wird nicht dadurch groß, dass ihre Mitglieder groß sind.“

„Sondern dadurch, dass sie Platz für jeden haben.“

Für einen Augenblick wurde es still.

Selbst der Wind schien zuzuhören.

Ajax lächelte.

„Dann bist du angekommen, Arno.“

Und zum ersten Mal seit seiner Ankunft fühlte sich der kleine Zwergdackel nicht mehr wie ein Besucher.

Sondern wie ein Teil der Dackelbande.

Von diesem Tag an hatte die Verfassungswiese einen neuen Freund.

Und die Dackelbande einen neuen Dackel.

Den kleinen Arno aus Berlin. 🐾

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