24111 Kiel, Rendsburger Landstraße 436
+49 431 12807082
kanzlei@grafkerssenbrock.com

Ares und der kleine Igel vom ersten Märztag

Ares und der kleine Igel vom ersten Märztag

Ares und der kleine Igel

Der Winter hatte sich noch nicht ganz verabschiedet.

Es war einer dieser frühen Märztage, an denen die Sonne zwar freundlich über der Verfassungswiese stand, der Boden aber noch hart gefroren war. In den Gräsern hing der Reif wie feiner Zuckerguss, und selbst Ajax, der sonst stundenlang Pflanzen und Knospen bewachte, zog ab und zu eine Pfote hoch, weil es so kalt war.

Die Dackelbande war an diesem Tag noch nicht vollständig versammelt.
Nur Ares streifte schon früh über die Wiese.

Ares war ein aufmerksamer Dackel. Sein dunkles, struppiges Fell bewegte sich kaum im Wind, als er langsam durch das gefrorene Gras schnupperte. Plötzlich blieb er stehen.

Mitten auf der Wiese lag etwas Kleines.

Nicht rund wie ein Stein.
Nicht weich wie ein Blatt.

Ares ging vorsichtig näher.

Es war ein kleiner Igel.

Er war so klein. Seine Stacheln standen wirr in alle Richtungen, und er hatte sich nicht einmal zu einer richtigen Kugel zusammengerollt. Er saß einfach da. Still. Müde.

Ares setzte sich neben ihn.

Der kleine Igel bewegte sich kaum. Nur seine Nase zuckte ein wenig.

Ares verstand sofort:
Dieser kleine Kerl war viel zu früh aus seinem Winterschlaf aufgewacht.

Der Winter war lang gewesen. Sehr lang.
Und kalt.

Für einen kleinen Igel bedeutete das:
Kein Futter. Keine Käfer. Keine Würmer. Keine Kraft.

Ares stupste den Igel vorsichtig mit der Nase an.

„Du musst Hilfe bekommen“, murmelte er leise.

Dann tat Ares das, was ein kluger Dackel immer tut, wenn eine Aufgabe zu groß für einen alleine ist:

Er holte die Dackelbande.

Mit schnellen Schritten lief er zurück zum großen Haselstrauch am Rand der Wiese, wo Ajax, Bautz, Gaius, Eddi, Lump, Bossi, Axel und der alte Opa Balder gerade ihre alltägliche Dackelversammlung hielten.

„Schnell!“, rief Ares.
„Mitten auf der Wiese sitzt ein kleiner Igel. Er ist viel zu früh wach geworden!“

Die Dackel sahen sich an.

Das war ernst.

Bautz sprang als erster auf.
Ajax folgte sofort.
Eddi rannte schon los, noch bevor Balder überhaupt etwas sagen konnte.

Gemeinsam liefen sie über die frostige Wiese zurück zu der Stelle, an der der kleine Igel saß.

Als sie ankamen, war er immer noch dort.

Ganz still.

Balder trat langsam näher und betrachtete ihn mit seinen klugen alten Augen.

„Hm“, brummte er.
„Ein März-Igel.“

Die jungen Dackel schauten ihn fragend an.

Balder nickte langsam.

„Manchmal passiert das nach sehr kalten Wintern. Die kleinen Igel wachen auf, bevor es genug Futter gibt. Dann haben sie keine Kraft mehr.“

Ajax setzte sich neben den Igel.

„Dann müssen wir ihm helfen.“

Bautz nickte ernst.
„So wie bei Stachelchen.“

Ares wedelte ein wenig mit dem Schwanz.

Genau daran hatte er auch gedacht.

Die Dackelbande bildete einen Kreis um den kleinen Igel, damit der kalte Wind ihn nicht mehr direkt treffen konnte.

Der kleine Igel wurde nun vorsichtig von der Dackelbande versorgt.

Lump und Bossi hatten bereits große Büschel aus trockenem Gras und raschelnden Blättern zusammengetragen. Ajax fand sogar noch ein paar besonders weiche Moosstücke am Rand der Wiese.

Doch Balder schüttelte nachdenklich den Kopf.

„Hier draußen wird es heute Nacht wieder frieren“, sagte er ruhig. „Der kleine Kerl braucht einen sicheren Platz.“

Axel nickte sofort.
„Dann holen wir den alten Schuhkarton.“

Und so geschah es.

Schon bald lag der kleine Igel in einem großen, alten Schuhkarton, der sorgfältig mit Blättern, Grasbüscheln und weichem Moos ausgepolstert war. Ganz vorsichtig wurde der kleine Stachelträger hineingelegt. Er schnupperte kurz, rollte sich ein wenig zusammen – und wirkte zum ersten Mal seit langer Zeit wieder etwas ruhiger.

Ares ging neben dem Karton her, als die Dackelbande sich auf den Weg machte.

Der Weg führte von der Verfassungswiese zu einer ruhigen Garage, die die Dackelbande schon seit vielen Wintern kannte. Dort war es trocken, windgeschützt und ein wenig wärmer als draußen.

Als sie ankamen, war es still.

In einer geschützten Ecke standen bereits mehrere vorbereitete Kisten mit weichem Laub. Darin schliefen vier weitere Igel, die den langen Winter dort sicher verbrachten.

Balder stellte den Schuhkarton behutsam neben die anderen.

„So“, sagte er leise.

Der kleine Igel kuschelte sich tiefer in die Blätter. Vielleicht hörte er sogar das leise Atmen der anderen Igel in der Garage.

Jetzt war er nicht mehr allein.

Ares setzte sich vor den Karton und sah aufmerksam hinein.

„Keine Sorge, kleiner Freund“, sagte er leise.
„Hier bist du sicher.“

Balder trat neben ihn und nickte zufrieden.

„Gut gemacht, Ares. Manchmal beginnt eine Rettung mit einer einzigen aufmerksamen Nase.“

Die Dackelbande verließ die Garage wieder ganz leise, damit die kleinen Stacheltiere weiter schlafen konnten.

Draußen auf der Verfassungswiese schien die Märzsonne.

Und obwohl der Boden noch kalt war, fühlte es sich ein kleines bisschen mehr nach Frühling an. 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Translate »