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Ares und die zwei blauen Bälle

Ares und die zwei blauen Bälle

Ares und 2 Bälle

Es gab auf der Verfassungswiese viele Bälle.

Große und kleine. Harte und weiche. Neue, die nach frischem Gummi rochen, und alte, die schon zahllose Dackelzähne kennengelernt hatten. Für die meisten Dackel war ein Ball einfach ein Ball. Er musste springen, fliegen und möglichst weit geworfen werden.

Nicht so für Ares.

Sein blauer Ball war kein gewöhnliches Spielzeug. Er war sein erster Ball überhaupt – der Ball, den er schon als junger Dackel überallhin getragen hatte. Er war mit ihm über die Verfassungswiese gelaufen, hatte ihn unter Büschen versteckt, im Gras vergraben und abends stolz ins Körbchen getragen. Der Ball war längst nicht mehr richtig rund. Überall zeigten sich kleine Bissspuren, der einst kräftige Blauton war stumpf geworden, und das Quietschen klang eher wie ein leises Hüsteln als wie ein fröhliches „Quietsch“.

Für alle anderen war es ein völlig verbrauchter Ball.

Für Ares war es sein Lieblingsball.

Es war ein bisschen so wie das erste Kuscheltier eines Kindes. Niemand sonst verstand, warum ausgerechnet dieses völlig ramponierte Etwas so wichtig sein konnte. Aber für Ares steckte in jedem Kratzer eine Erinnerung.

An einem sonnigen Nachmittag jagte die Dackelbande wieder über die Verfassungswiese. Ajax organisierte bereits das nächste Wettrennen, Balder untersuchte mit wissenschaftlicher Gründlichkeit einen besonders interessanten Maulwurfshügel, Bautz erklärte lautstark, dass jeder Ball eigentlich ihm gehöre, solange er ihn zuerst erreiche, und Eddi freute sich einfach über alles, was sich bewegte.

Natürlich war auch Ares mit seinem blauen Ball unterwegs.

Immer wieder wurde geworfen. Immer wieder brachte Ares ihn zuverlässig zurück.

Doch irgendwann passierte etwas, das eigentlich gar nicht passieren durfte.

Nach einem besonders langen Wurf verschwand der Ball im hohen Gras.

Ares lief hinterher.

Er schnupperte.

Er suchte.

Er lief im Kreis.

Dann noch einmal.

Noch einmal.

Aber der Ball war verschwunden.

Die ganze Dackelbande half mit. Sie suchten zwischen den Gräsern, unter kleinen Sträuchern und sogar dort, wo eigentlich nie ein Ball landete.

Vergeblich.

Am Abend ging Ares ungewöhnlich langsam nach Hause.

Sein Körbchen fühlte sich leer an.

In den nächsten Tagen wurde immer wieder gesucht. Ares lief bei jedem Spaziergang an dieselben Stellen zurück. Manchmal blieb er plötzlich stehen, weil er glaubte, den vertrauten Geruch seines Balles wahrgenommen zu haben.

Doch jedes Mal irrte er sich.

Schließlich bekam Ares einen neuen blauen Ball.

Er war wunderschön.

Fast perfekt rund.

Er sprang höher.

Er quietschte laut und fröhlich.

Beim Werfen flog er sogar ein kleines Stück weiter als der alte.

Natürlich spielte Ares damit.

Er lief ihm hinterher.

Er brachte ihn zurück.

Er hatte sogar wieder Spaß.

Aber jedes Mal, wenn der Abend kam und er sich in sein Körbchen legte, fehlte etwas.

Der neue Ball war eben neu.

Er roch anders.

Er fühlte sich anders an.

Er erzählte keine gemeinsamen Geschichten.

Vierzehn Tage vergingen.

Fast hatte sich Ares daran gewöhnt, dass sein alter Ball wohl für immer verschwunden war.

Dann geschah etwas völlig Unerwartetes.

Die Dackelbande spazierte wie immer über die Verfassungswiese. Ares schnupperte eher beiläufig an einem großen Rosenbusch, dessen Zweige bis tief auf den Boden reichten.

Plötzlich blieb er wie angewurzelt stehen.

Er hob den Kopf.

Schnupperte noch einmal.

Dann schob er seine Schnauze vorsichtig zwischen die Zweige.

Dort, halb unter trockenen Blättern verborgen, lag er.

Sein alter blauer Ball.

Ein wenig schmutziger.

Ein wenig verblasster.

Aber unverwechselbar.

Ares zog ihn vorsichtig hervor.

Einen langen Moment hielt er ihn einfach nur im Maul.

Sein Schwanz wedelte so schnell, dass selbst Ajax meinte, dies müsse wohl ein neuer Geschwindigkeitsrekord sein.

Eddi hüpfte begeistert um ihn herum.

Bautz erklärte sofort, er habe natürlich gewusst, dass der Ball irgendwann wieder auftauchen würde.

Balder stellte sachlich fest, dass Rosenbüsche offenbar ausgezeichnete Ballverstecke seien.

Doch Ares hörte ihnen gar nicht richtig zu.

Er war einfach nur glücklich.

Den ganzen Heimweg trug er seinen alten Ball, obwohl der neue ebenfalls dabei war.

Zu Hause legte er beide nebeneinander.

Er betrachtete sie lange.

Dann kam ihm eine Idee.

Eine richtig gute Dackelidee.

Der neue Ball konnte alles besser. Er sprang höher, quietschte lauter und war ideal zum Spielen auf der Verfassungswiese. Warum also sollte gerade dieser nicht der Spielball werden?

Der alte Ball dagegen hatte etwas, was kein neuer Ball jemals haben konnte.

Er gehörte zu Ares.

Also bekam jeder Ball seine eigene Aufgabe.

Tagsüber wurde mit dem neuen blauen Ball gespielt, gerannt und getobt.

Abends aber, wenn Ruhe einkehrte und die Sterne über der Verfassungswiese standen, wartete der alte blaue Ball bereits im Körbchen. Dort kuschelte sich Ares an ihn, genau wie früher.

Und dort blieb er auch.

Seit jenem Tag verließ der alte Ball das Körbchen nicht mehr.

Er musste nichts mehr beweisen.

Er musste nicht mehr springen.

Nicht mehr quietschen.

Er musste einfach nur da sein.

Und jedes Mal, wenn Ares einschlief, wusste er ganz sicher, dass sein erster Lieblingsball morgens noch genau dort auf ihn warten würde.

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