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Ein Überblick: Diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Ukrainekrieges

Arbeitsrecht – Erbrecht - Kommunalrecht

Ein Überblick: Diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Ukrainekrieges

Investitionen
 

Gespräche mit Wladimir Putin und der russischen Führung von 2022 bis 2026

Untersuchungszeitraum: 24. Februar 2022 bis 31. Oktober 2026

Seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 haben zahlreiche Staats- und Regierungschefs, Außenminister, Sondergesandte und internationale Organisationen versucht, durch direkte Gespräche mit Wladimir Putin oder anderen Vertretern der russischen Führung einen Waffenstillstand, Friedensverhandlungen oder eine politische Beendigung des Krieges zu erreichen.

Zu den besonders aktiven Gesprächspartnern gehörten Emmanuel Macron, Olaf Scholz, Recep Tayyip Erdoğan, António Guterres, Xi Jinping, Narendra Modi und seit Februar 2025 Donald Trump beziehungsweise dessen Sondergesandte.

Die diplomatischen Bemühungen lassen sich in vier Phasen einteilen:

  1. 2022: Intensive direkte Kontakte mit Putin, russisch-ukrainische Friedensverhandlungen und Vermittlungsversuche insbesondere Frankreichs, Deutschlands, Israels und der Türkei.

  2. 2023–2024: Rückgang direkter westlicher Kontakte; stärkere Vermittlungsbemühungen Chinas, Indiens, afrikanischer Staaten, der Türkei und internationaler Organisationen.

  3. 2025: Wiederaufnahme umfangreicher amerikanisch-russischer Verhandlungen unter Präsident Trump sowie direkter Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine.

  4. 2026: Trilaterale Verhandlungen zwischen den USA, Russland und der Ukraine, anschließende Unterbrechungen und neue diplomatische Initiativen.

Zur Vollständigkeit: Eine abschließend vollständige Liste sämtlicher Gespräche ist aus öffentlichen Quellen nicht herstellbar. Es gibt kein zentrales, lückenloses Register; zahlreiche diplomatische Kontakte und ihre Inhalte sind vertraulich. Die nachfolgende Übersicht erfasst die recherchierbaren, öffentlich dokumentierten wichtigen Gespräche. Sie unterscheidet tatsächliche Kontakte mit russischen Vertretern von Friedensinitiativen, an denen Russland nicht beteiligt war. Reine Gespräche westlicher Staaten untereinander werden nicht als Verhandlungen mit Russland gezählt. Die Dokumentation stützt sich unter anderem auf amtliche Mitteilungen, die Ukraine-Analysen der Bundeszentrale für politische Bildung, parlamentarische Forschungsberichte und internationale Nachrichtenagenturen.

 

I. Das Jahr 2022 – Die intensive Phase direkter Friedensdiplomatie

Chronologische Übersicht der Gespräche

Datum

Gesprächspartner Russlands

Inhalt und Ergebnis

24.02.2022

Emmanuel Macron – Wladimir Putin

Telefonat am Tag des Angriffs. Macron fordert die Einstellung der russischen Operationen und direkten Kontakt mit Selenskyj.

28.02.2022

Russische und ukrainische Delegationen

Erste Verhandlungsrunde an der belarusisch-ukrainischen Grenze; Forderungen nach Waffenstillstand und Truppenrückzug. Kein Abkommen.

28.02.2022

Macron – Putin

Telefonat über sofortige Feuerpause, Schutz der Zivilbevölkerung und humanitäre Korridore.

03.03.2022

Macron – Putin

Etwa 90 Minuten. Macron versucht, eine Beendigung der Angriffe zu erreichen; Putin zeigt keine Bereitschaft zur grundlegenden Kursänderung.

03.03.2022

Russische und ukrainische Delegationen

Zweite Gesprächsrunde. Grundsätzliche Verständigung über humanitäre Korridore, aber keine Waffenruhe.

04.03.2022

Olaf Scholz – Putin

Telefonat über Kriegsende, Feuerpause und humanitäre Versorgung.

05.03.2022

Naftali Bennett – Putin

Der israelische Ministerpräsident reist nach Moskau und versucht, zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln.

06.03.2022

Recep Tayyip Erdoğan – Putin

Telefonat über einen sofortigen Waffenstillstand, humanitäre Korridore und mögliche Friedensverhandlungen in der Türkei.

06.03.2022

Macron – Putin

Gespräche über eine Verhandlungslösung und die Sicherung ukrainischer Kernkraftwerke.

07.03.2022

Charles Michel – Putin

Telefonat des Präsidenten des Europäischen Rates über die russische Invasion und die diplomatische Krisenbewältigung.

07.03.2022

Russische und ukrainische Delegationen

Dritte Gesprächsrunde; keine politische Einigung.

09.03.2022

Scholz – Putin

Weiteres Telefonat im Rahmen der deutschen Vermittlungsbemühungen.

10.03.2022

Sergej Lawrow – Dmytro Kuleba

Außenministertreffen in Antalya unter türkischer Vermittlung. Kein Waffenstillstand.

10.03.2022

Scholz – Putin

Fortsetzung der diplomatischen Gespräche.

12.03.2022

Scholz und Macron – Putin

Gemeinsames, 75-minütiges Telefonat. Forderung nach sofortigem Waffenstillstand und diplomatischer Lösung.

18.03.2022

Scholz – Putin

Erneuter telefonischer Vermittlungsversuch.

23.03.2022

Scholz – Putin

Gespräch über den Stand russisch-ukrainischer Verhandlungen, eine Feuerpause und die humanitäre Lage.

März 2022, fortlaufend

Ukrainische und russische Unterhändler

Videoverhandlungen unter anderem über Neutralität, Sicherheitsgarantien, russischen Truppenrückzug und den Status besetzter Gebiete.

29.03.2022

Russische und ukrainische Delegationen; türkische Vermittlung

Zentrale Verhandlungsrunde in Istanbul. Die Ukraine legt ein Konzept für Neutralität und internationale Sicherheitsgarantien vor.

30.03.2022

Scholz – Putin

Telefonat insbesondere über die russische Forderung nach Gaszahlungen in Rubel; im Kontext der fortdauernden Kriegskrise.

11.04.2022

Karl Nehammer – Putin

Der österreichische Bundeskanzler besucht Putin in Moskau. Forderung nach Kriegsende, Untersuchung von Kriegsverbrechen und humanitären Maßnahmen.

26.04.2022

António Guterres – Putin und Lawrow

Gespräche des UN-Generalsekretärs in Moskau über humanitäre Hilfe, Evakuierungen aus Mariupol und diplomatische Konfliktlösung.

03.05.2022

Macron – Putin

Gespräch über Mariupol, Evakuierungen, Lebensmittelversorgung und einen Waffenstillstand.

13.05.2022

Scholz – Putin

75-minütiges Telefonat zu Feuerpause, humanitärer Lage, Friedensverhandlungen und Ernährungssicherheit.

26.05.2022

Mario Draghi – Putin

Der italienische Ministerpräsident erörtert den Krieg, die Lebensmittelkrise und die Möglichkeiten einer politischen Lösung.

28.05.2022

Scholz und Macron – Putin

Gemeinsames, 80-minütiges Gespräch. Forderung nach russischem Truppenrückzug, Waffenstillstand und direkten Gesprächen Putins mit Selenskyj.

22.07.2022

Russland, Ukraine, Türkei und Vereinte Nationen

Abschluss der Schwarzmeer-Getreideinitiative in Istanbul. Vermittlung durch Erdoğan und Guterres; kein allgemeines Friedensabkommen.

19.08.2022

Macron – Putin

Gespräch über das Kernkraftwerk Saporischschja und eine Mission der Internationalen Atomenergie-Organisation.

11.09.2022

Macron – Putin

Forderung nach Beendigung der russischen Angriffe und Aufnahme von Verhandlungen; außerdem nukleare Sicherheit und Getreideexporte.

13.09.2022

Scholz – Putin

Telefonat über die Kriegslage, russischen Truppenrückzug und eine diplomatische Lösung.

16.09.2022

Narendra Modi – Putin

Persönliches Treffen in Samarkand. Modi fordert eine Beendigung der Feindseligkeiten und verweist auf Dialog und Diplomatie.

02.12.2022

Scholz – Putin

Telefonat über den Krieg, den Abzug russischer Truppen und eine diplomatische Konfliktlösung.

Die Gespräche von Macron und Scholz sind besonders gut durch amtliche Pressemitteilungen dokumentiert. Bereits die elf identifizierbaren Telefonate zwischen Scholz und Putin im Jahr 2022 zeigen die Intensität der deutschen Kontaktversuche. Für Macron werden für den Zeitraum vom 24. Februar 2022 bis zum 22. Februar 2023 insgesamt 13 Kontakte mit Putin statistisch erfasst. Die obige Tabelle gibt bei beiden Politikern die wesentlichen und zeitlich verifizierbaren Gespräche wieder; nicht jeder weitere Kontakt ist inhaltlich einzeln dokumentiert.

 

Die Istanbuler Verhandlungen im März und April 2022

Die Gespräche vom 29. März 2022 waren der wichtigste Versuch des ersten Kriegsjahres, eine umfassende politische Regelung zu erreichen.

Die ukrainische Delegation unterbreitete Vorschläge für eine dauerhaft garantierte Neutralität, internationale Sicherheitsgarantien und besondere Verhandlungen über den Status der Krim. In der Folge wurde an weiteren Vertragsentwürfen gearbeitet.

Die Verhandlungen scheiterten letztlich an erheblichen Differenzen über Sicherheitsgarantien, territoriale Fragen und weitere russische Forderungen. Die Bekanntwerdung der russischen Verbrechen in Butscha belastete die Gespräche zusätzlich.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem Verhandlungsentwurf und einem unterschriftsreifen Friedensabkommen. Die Forschung der Stiftung Wissenschaft und Politik bestätigt die weitreichenden ukrainischen Vorschläge, aber keinen bereits verbindlich vereinbarten Frieden. Die These, ein fertiger Friedensvertrag sei ausschließlich durch westliche Intervention verhindert worden, lässt sich daraus nicht ableiten.

 

II. Das Jahr 2023 – China, Afrika, Türkei, Brasilien und Vatikan

Chronologische Übersicht

Datum

Gesprächspartner Russlands

Inhalt und Ergebnis

05.01.2023

Erdoğan – Putin

Telefonat. Erdoğan fordert eine einseitige Waffenruhe als Ausgangspunkt für Verhandlungen und eine gerechte Lösung.

16.01.2023

Erdoğan – Putin

Telefonat über Gefangenenaustausch, Schwarzmeer-Getreideinitiative und Möglichkeiten einer dauerhaften Friedenslösung.

20.–21.03.2023

Xi Jinping – Putin

Persönliche Gespräche in Moskau. China bringt sein Zwölf-Punkte-Positionspapier für eine politische Konfliktlösung ein.

Ende März 2023

Celso Amorim – Putin

Der außenpolitische Sonderberater des brasilianischen Präsidenten Lula da Silva führt in Moskau Gespräche über Verhandlungsmöglichkeiten.

26.05.2023

Li Hui – Lawrow und russische Vizeaußenminister

Chinesischer Sondergesandter bespricht in Moskau eine politische Lösung; Teil einer diplomatischen Rundreise.

17.06.2023

Afrikanische Friedensdelegation – Putin

Treffen in St. Petersburg. Mehrere afrikanische Staats- und Regierungschefs legen Vorschläge für Waffenruhe und Verhandlungen vor.

28.–30.06.2023

Kardinal Matteo Zuppi – russische Regierungsvertreter

Der Gesandte von Papst Franziskus spricht in Moskau unter anderem mit Putins Berater Juri Uschakow und der Kinderrechtsbeauftragten Maria Lwowa-Belowa.

28.07.2023

Afrikanische Friedensdelegation – Putin

Fortsetzung der Friedensgespräche in St. Petersburg, einschließlich humanitärer Fragen und Getreideexporten.

04.09.2023

Erdoğan – Putin

Persönliche Gespräche in Sotschi, insbesondere über die Wiederbelebung der Schwarzmeer-Getreideinitiative und die Ukraine.

Quellen: Chinesisches Außenministerium, südafrikanisches Präsidialamt, Vatikan, Reuters und die dokumentierte russisch-afrikanische gemeinsame Erklärung.

 

Die afrikanische Friedensinitiative im Einzelnen

Am 17. Juni 2023 traf eine Delegation aus sieben afrikanischen Staaten Putin, nachdem sie am Vortag mit Selenskyj in Kiew gesprochen hatte.

Beteiligt waren Südafrika, die Komoren, Senegal, Sambia, Ägypten, die Republik Kongo und Uganda. Die Delegation umfasste mehrere Staatspräsidenten, einen Regierungschef beziehungsweise deren hochrangige Vertreter. Zu den maßgeblichen Initiatoren gehörte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa.

Die Delegation verfolgte insbesondere folgende Ziele: Deeskalation, einen Weg zu Verhandlungen, humanitäre Maßnahmen, die Freilassung von Gefangenen sowie die Wiederherstellung stabiler Getreide- und Düngemittelexporte.

Am 28. Juli 2023 wurden diese Gespräche mit Putin fortgesetzt. Beide Seiten vereinbarten, den Dialog aufrechtzuerhalten. Ein allgemeiner Waffenstillstand wurde nicht erreicht.

 

Die chinesische Initiative

Xi Jinping verhandelte im März 2023 persönlich mit Putin über Chinas Vorschläge zur politischen Beendigung des Krieges. Im Anschluss besuchte der chinesische Sondergesandte Li Hui verschiedene Staaten, darunter Russland und die Ukraine.

China sprach sich für Dialog und Verhandlungen aus, verlangte in seinem Zwölf-Punkte-Papier jedoch keinen konkret terminierten vollständigen Rückzug russischer Truppen. Damit unterschied sich die chinesische Initiative wesentlich von der ukrainischen Friedensformel.

Das Ausbleiben einer Einigung bedeutete nicht das Ende der chinesischen Vermittlungsbemühungen; sie wurden 2024 fortgesetzt.

 

III. Das Jahr 2024 – Neue europäische Kontakte und fortgesetzte Vermittlung

Datum

Gesprächspartner Russlands

Inhalt und Ergebnis

02.03.2024

Li Hui – Michail Galusin

Gespräch in Moskau mit dem russischen Vizeaußenminister. China wirbt erneut für Verhandlungen und eine politische Lösung.

16.05.2024

Xi Jinping – Putin

Treffen in Peking. Gemeinsame Stellungnahme zu internationalen Sicherheitsfragen und einer politischen Regelung des Ukrainekrieges.

03.07.2024

Erdoğan – Putin

Gespräch in Astana. Erdoğan bietet eine türkische Vermittlung und Verhandlungen über einen Waffenstillstand an. Der Kreml weist eine Vermittlerrolle Erdoğans zunächst zurück.

05.07.2024

Viktor Orbán – Putin

Treffen in Moskau im Rahmen von Orbáns sogenannter Friedensmission. Gespräche über Waffenstillstand und mögliche politische Regelungen. Kein EU-Verhandlungsmandat.

08.–09.07.2024

Narendra Modi – Putin

Gespräche in Moskau. Modi betont die Notwendigkeit einer friedlichen Konfliktlösung durch Dialog.

14.–16.10.2024

Kardinal Zuppi – Lawrow und weitere russische Vertreter

Zweite vatikanische Vermittlungsreise nach Moskau. Gespräche über Gefangenenaustausch, Kinder, humanitäre Maßnahmen und Perspektiven eines Friedens.

22.10.2024

Modi – Putin

Erneutes Treffen beim BRICS-Gipfel in Kasan; Modi wirbt für eine friedliche Lösung.

24.10.2024

António Guterres – Putin

Persönliches Gespräch beim BRICS-Gipfel in Kasan. Guterres fordert einen Frieden im Einklang mit der UN-Charta und erörtert die Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer.

15.11.2024

Scholz – Putin

Erstmals seit Dezember 2022 wieder ein Telefonat. Scholz verlangt ein Ende des Krieges, den Abzug russischer Truppen und Verhandlungen mit der Ukraine.

Quellen: Außenministerium Chinas, türkische Präsidentschaft, indische Regierung, Vereinte Nationen, Vatikan und Reuters.

 

Ergänzung: Humanitäre Vermittlung der Vereinigten Arabischen Emirate

Die Vereinigten Arabischen Emirate unterhielten parallel Verhandlungskanäle nach Moskau und Kiew. Diese Kontakte waren besonders bei der Rückführung von Kriegsgefangenen erfolgreich.

Allein 2024 vermittelten die Emirate nach eigenen Angaben mindestens neun Gefangenenaustausche. Sie führten bis Oktober 2024 zur Freilassung von insgesamt 2.184 Gefangenen.

Diese Ergebnisse sind für eine vollständige Bestandsaufnahme wichtig. Sie zeigen, dass Gespräche mit Russland selbst in Phasen ohne politische Friedensverhandlungen konkrete humanitäre Vereinbarungen ermöglichten. Sie waren allerdings kein Ersatz für Verhandlungen über ein Ende des Krieges.

 

IV. Das Jahr 2025 – Wiederaufnahme der amerikanisch-russischen Friedensverhandlungen

Mit dem Amtsantritt Donald Trumps am 20. Januar 2025 änderte sich die diplomatische Lage grundlegend. Während die direkten Gespräche zwischen europäischen Regierungschefs und Putin seit 2022 weitgehend zum Erliegen gekommen waren, eröffneten die Vereinigten Staaten einen neuen, intensiven Verhandlungskanal.

Neben Trump selbst führten insbesondere sein Sondergesandter Steve Witkoff, Außenminister Marco Rubio sowie später Jared Kushner Gespräche mit der russischen Führung.

Chronologische Übersicht

Datum

Gesprächspartner Russlands

Inhalt und Ergebnis

11.02.2025

Steve Witkoff – Putin

Erstes persönliches Treffen des amerikanischen Sondergesandten mit Putin nach Trumps Amtsantritt; Wiederaufnahme direkter Kontakte, auch im Zusammenhang mit der Freilassung eines amerikanischen Staatsbürgers.

12.02.2025

Donald Trump – Putin

Telefonat. Beide vereinbaren, Verhandlungen über ein Ende des Ukrainekrieges einzuleiten.

18.02.2025

Marco Rubio, Mike Waltz und weitere US-Vertreter – Lawrow und Juri Uschakow

Hochrangige Gespräche in Riad über die Wiederherstellung amerikanisch-russischer Beziehungen und die Vorbereitung von Friedensverhandlungen.

13.03.2025

Witkoff – Putin

Persönliches Treffen in Moskau über einen möglichen Waffenstillstand und russische Bedingungen.

18.03.2025

Trump – Putin

Telefonat von rund zwei Stunden. Putin stimmt einer zeitlich begrenzten Einstellung von Angriffen auf Energieanlagen zu, lehnt jedoch eine vollständige 30-tägige Waffenruhe ab.

24.03.2025

Amerikanische und russische Verhandlungsdelegationen

Gespräche in Riad über die Sicherheit im Schwarzen Meer und die Bedingungen eines begrenzten Waffenstillstands.

11.04.2025

Witkoff – Putin

Mehrstündiges Treffen in St. Petersburg über einen möglichen Friedensrahmen.

17.04.2025

Rubio – Lawrow

Telefonat über die Ergebnisse der amerikanisch-europäisch-ukrainischen Gespräche in Paris und das weitere Vorgehen.

25.04.2025

Witkoff – Putin

Viertes persönliches Treffen des US-Sondergesandten mit Putin, diesmal in Moskau. Keine abschließende Einigung.

16.05.2025

Russische und ukrainische Delegationen

Erste direkte Verhandlungsrunde der beiden Kriegsparteien seit 2022 in Istanbul. Unter türkischer Vermittlung wird ein größerer Gefangenenaustausch vereinbart, jedoch keine Waffenruhe.

19.05.2025

Trump – Putin

Zweistündiges Telefonat über die Wiederaufnahme unmittelbarer russisch-ukrainischer Friedensverhandlungen.

02.06.2025

Russische und ukrainische Delegationen

Zweite Verhandlungsrunde in Istanbul. Vereinbarungen über Gefangenenaustausch und die Übergabe der sterblichen Überreste gefallener Soldaten; keine Verständigung über ein Kriegsende.

04.06.2025

Trump – Putin

Telefonat über die weitere Verhandlungsbereitschaft und die jüngsten ukrainischen Angriffe auf russische Militärflugplätze. Kein unmittelbarer Fortschritt.

14.06.2025

Trump – Putin

Telefonat, in dem neben der Nahostlage auch der Ukrainekrieg Gegenstand des Austauschs ist.

01.07.2025

Macron – Putin

Erstes Telefonat seit September 2022. Macron verlangt eine sofortige Waffenruhe und Verhandlungen unter Achtung der ukrainischen Souveränität.

03.07.2025

Trump – Putin

Telefonat über die Ukraine und weitere internationale Konflikte. Keine Annäherung in der Waffenstillstandsfrage.

23.07.2025

Russische und ukrainische Delegationen

Dritte Istanbuler Verhandlungsrunde. Weitere Gefangenenaustausche werden vereinbart; die Positionen über Gebiete und Waffenstillstand bleiben weit auseinander.

06.08.2025

Witkoff – Putin

Fünftes persönliches Treffen des Sondergesandten mit Putin. Vorbereitung des amerikanisch-russischen Gipfels.

15.08.2025

Trump – Putin

Persönlicher Gipfel in Alaska. Umfangreiche Gespräche über eine Friedensregelung; weder Waffenstillstand noch Friedensvertrag werden vereinbart.

18.08.2025

Trump – Putin

Telefonat im Anschluss an die Gespräche Trumps mit Selenskyj und europäischen Staats- und Regierungschefs in Washington. Erörterung eines möglichen Treffens zwischen Putin und Selenskyj.

16.10.2025

Trump – Putin

Telefonat über die Fortsetzung der Friedensverhandlungen und ein mögliches Gipfeltreffen in Budapest. Das vorgesehene Treffen kommt nicht zustande.

20.10.2025

Rubio – Lawrow

Telefonat zur Vorbereitung weiterer Friedensgespräche und eines möglichen Trump-Putin-Gipfels. Die diplomatischen Differenzen bleiben bestehen.

Ende Oktober 2025

Witkoff und Kushner – Kirill Dmitrijew

Gespräche in den USA über Eckpunkte eines neuen amerikanisch-russischen Friedensplanentwurfs.

28.11.2025

Viktor Orbán – Putin

Persönliches Treffen in Moskau. Im Mittelpunkt stehen auch bilaterale Energiefragen; der Ukrainekrieg und diplomatische Perspektiven werden erörtert.

02.12.2025

Witkoff und Kushner – Putin

Rund fünfstündige Verhandlungen in Moskau über einen überarbeiteten Friedensplan. Keine Einigung über die zentralen Territorialfragen.

20.–21.12.2025

Amerikanische Unterhändler – Kirill Dmitrijew

Gespräche in Miami über die Fortentwicklung der amerikanischen Friedensvorschläge.

28.12.2025

Trump – Putin

Telefonat vor dem Treffen Trumps mit Selenskyj in Florida. Erörterung der Aussichten auf eine Friedensvereinbarung.

Die Daten der zentralen Gesprächsrunden ergeben sich insbesondere aus der Dokumentation der Bundeszentrale für politische Bildung, den Forschungsberichten der britischen Parlamentsbibliothek, den amtlichen amerikanischen Gesprächsmitteilungen und den zeitgenössischen Berichten über die Verhandlungen in Istanbul. Die direkten Kontakte vom 1. Juli 2025 zwischen Macron und Putin sowie vom 18. August 2025 zwischen Trump und Putin sind darüber hinaus durch Reuters beziehungsweise durch das Weiße Haus dokumentiert.

 

Die Bedeutung der Verhandlungen von 2025

Das Jahr 2025 unterschied sich von den Vorjahren durch drei Entwicklungen.

Erstens sprachen die Vereinigten Staaten wieder unmittelbar und regelmäßig mit Putin. Zweitens nahmen Russland und die Ukraine unter türkischer Vermittlung erstmals seit 2022 ihre direkten Verhandlungen wieder auf. Drittens wurden konkrete Friedensplanentwürfe erarbeitet, bei denen insbesondere die territoriale Zugehörigkeit der besetzten Gebiete, Sicherheitsgarantien und die militärische Stellung der Ukraine umstritten blieben.

Die Istanbuler Verhandlungen bewirkten humanitäre Fortschritte, insbesondere bei Gefangenenaustauschen. Sie führten jedoch nicht zu einer politischen Verständigung über eine Waffenruhe oder einen Friedensvertrag.

Die amerikanisch-russischen Verhandlungen führten im November 2025 zur Veröffentlichung eines 28-Punkte-Planentwurfs. Dieser wurde anschließend mit der Ukraine und europäischen Staaten weiterverhandelt. Ein gemeinsamer, von Russland und der Ukraine akzeptierter Friedensvertrag entstand daraus nicht.

 

V. Das Jahr 2026 – Trilaterale Verhandlungen, erneute Unterbrechung und neue Kontakte mit Putin

Im Januar und Februar 2026 kam es erstmals zu einem strukturierten trilateralen Verhandlungsformat zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine. Nach der Unterbrechung dieser Verhandlungen im Frühjahr wurden im Sommer und Herbst neue bilaterale Kontakte aufgenommen.

Chronologische Übersicht bis zum 31. Oktober 2026

Datum

Gesprächspartner Russlands

Inhalt und Ergebnis

20.01.2026

Witkoff und Kushner – Kirill Dmitrijew

Gespräche beim Weltwirtschaftsforum in Davos zur Fortsetzung der amerikanisch-russischen Friedensbemühungen.

22.–23.01.2026

Witkoff, Kushner und Josh Gruenbaum – Putin

Mehrstündige Verhandlungen in Moskau. Vereinbarung, trilaterale Gespräche mit der Ukraine in Abu Dhabi aufzunehmen.

23.–24.01.2026

USA, Russland und Ukraine

Erste trilaterale Verhandlungsrunde in Abu Dhabi. Gespräche über territoriale Streitfragen, Sicherheitsgarantien und militärische Vereinbarungen.

31.01.2026

Amerikanische Gesprächspartner – Kirill Dmitrijew

Fortsetzung der amerikanisch-russischen Kontakte in Miami vor der nächsten Verhandlungsrunde.

04.–05.02.2026

USA, Russland und Ukraine

Zweite trilaterale Gesprächsrunde in Abu Dhabi. Einigung über einen Austausch von insgesamt 314 Kriegsgefangenen, aber keine politische Friedensvereinbarung.

06.02.2026

Ignazio Cassis und Feridun Sinirlioğlu – Lawrow

Der amtierende OSZE-Vorsitzende und der OSZE-Generalsekretär sprechen in Moskau über die Beendigung des Krieges, die Rolle der OSZE und mögliche internationale Überwachungsmechanismen.

17.–18.02.2026

USA, Russland und Ukraine

Trilaterale Gespräche in Genf, offiziell eröffnet durch den Schweizer Außenminister Cassis. Keine Einigung über Territorien und Sicherheitsgarantien.

09.03.2026

Trump – Putin

Telefonat über den Ukrainekrieg und den Konflikt im Nahen Osten. Trump fordert erneut eine Beendigung des Krieges.

29.04.2026

Trump – Putin

Telefonat über eine mögliche zeitlich begrenzte Waffenruhe im Mai.

19.–20.05.2026

Xi Jinping – Putin

Persönliche Gespräche in Peking, bei denen auch die Ukraine zur Sprache kommt. Das Treffen ist allerdings primär ein bilateraler Staatsbesuch, keine eigenständige Friedensverhandlungsrunde.

14.06.2026

Trump – Putin

Telefonat an Trumps 80. Geburtstag. Trump fordert das Kriegsende; weitere Reisen der amerikanischen Unterhändler nach Russland werden erörtert.

04.07.2026

Trump – Putin

Rund 90-minütiges Telefonat über die Beendigung der Kämpfe und die Wiederaufnahme diplomatischer Bemühungen.

23.07.2026

Rubio – Lawrow

Persönliches Außenministertreffen in Manila am Rande einer ASEAN-Veranstaltung. Gespräche über den Ukrainekrieg und eine mögliche Wiederbelebung der Verhandlungen.

25.07.2026

Kassym-Schomart Tokajew – Putin

Persönliches Treffen in Omsk. Der kasachische Präsident schlägt vor, den Konflikt einzufrieren und an frühere Istanbuler Verhandlungsansätze anzuknüpfen.

31.08.2026

Narendra Modi – Putin

Persönliches Treffen in Bischkek. Modi fordert ein Ende der Kampfhandlungen und bietet weitere indische Unterstützung für Friedensbemühungen an.

05.09.2026

Witkoff und Kushner – Putin

Persönliche Verhandlungen in Moskau zur Wiederaufnahme des festgefahrenen Friedensprozesses.

08.09.2026

Trump – Putin

Rund einstündiges Telefonat über die Ergebnisse der amerikanischen Vermittlungsreise nach Moskau und Kiew.

11.09.2026

Modi – Putin

Weitere Gespräche beim BRICS-Gipfel in Neu-Delhi. Modi bekräftigt seine Unterstützung für Dialog und Friedensbemühungen.

26.09.2026

Johann Wadephul – Lawrow

Persönliches Gespräch in New York am Rande der UN-Generalversammlung. Erstes Außenministertreffen dieser Art seit dem russischen Großangriff; es geht unter anderem um die Ukraine und Möglichkeiten der Deeskalation.

09.10.2026

Trump – Putin

Telefonat über die Wiederaufnahme trilateraler Verhandlungen, die Kriegslage und wirtschaftliche Fragen. Putin macht einen kurzfristigen Neustart der Gespräche von russischen Bedingungen abhängig.

21.10.2026

Witkoff – Putin

Rund dreistündige Verhandlungen in St. Petersburg. Putin signalisiert die grundsätzliche Bereitschaft zur Wiederaufnahme von Gesprächen zwischen Russland, den USA und der Ukraine.

27.10.2026

Alexander Stubb und Jonas Gahr Støre – Putin

Etwa 90-minütiges Telefonat des finnischen Präsidenten und des norwegischen Ministerpräsidenten. Beide fordern das Kriegsende und die Wiederaufnahme direkter Verhandlungen.

Die Gespräche vom Januar und Februar sind durch die Dokumentation der Bundeszentrale für politische Bildung, zeitgenössische Berichte und Mitteilungen der Schweizer Regierung belegt. Der OSZE-Besuch vom 6. Februar ist zusätzlich durch eine offizielle Mitteilung der Organisation nachgewiesen. Für die Kontakte von März bis September liegen unter anderem Berichte von Reuters, die indische Regierungsmitteilung zum BRICS-Gipfel und die Dokumentation der britischen Parlamentsbibliothek vor.

 

Die jüngsten Gespräche im Oktober 2026

21. Oktober 2026: Putin und Witkoff

Das Gespräch in St. Petersburg war nach Reuters-Zählung das neunte persönliche Treffen Putins mit Witkoff seit Beginn der neuen amerikanischen Vermittlungsbemühungen. Russland erklärte sich grundsätzlich bereit, die seit Februar unterbrochenen trilateralen Gespräche wieder aufzunehmen.

Im Mittelpunkt sollen künftig insbesondere die territoriale Ordnung und Sicherheitsgarantien für Russland und die Ukraine nach dem Krieg stehen. Eine Freilassung eines in Russland festgehaltenen amerikanischen Staatsbürgers bildete ein konkretes humanitäres Ergebnis des Gesprächs.

 

27. Oktober 2026: Putin, Stubb und Støre

Dieses Gespräch ist politisch besonders bemerkenswert, weil es den Versuch zweier nordeuropäischer Staats- und Regierungschefs markiert, wieder einen direkten europäischen Kommunikationskanal zu Putin zu öffnen.

Der Kontakt wurde mit der Ukraine abgestimmt. Stubb und Støre handelten ausdrücklich als Vertreter ihrer eigenen Staaten, nicht mit einem allgemeinen Mandat der Europäischen Union. Nach ihren Angaben wollten sie vor allem eine diplomatische Wiederaufnahme der Gespräche unterstützen.

Eine Änderung der russischen Territorialforderungen wurde im Anschluss nicht bekannt.

Stand 31. Oktober 2026: Neue Verhandlungen in Abu Dhabi sind für November im Gespräch. Selenskyj hofft auf einen Termin zwischen dem 6. und 10. November. Der Kreml hat jedoch bis Ende Oktober keinen verbindlichen Termin bestätigt. Diese Verhandlungen dürfen daher noch nicht als bereits durchgeführte Gespräche gezählt werden.

 

VI. Weitere nachgewiesene Kontakte – Ergänzungen zur chronologischen Übersicht

Für eine möglichst umfassende Dokumentation sind zusätzlich folgende Gespräche zu berücksichtigen. Einige betrafen nicht die gesamte Friedensregelung, sondern begrenzte humanitäre, sicherheitspolitische oder wirtschaftliche Teilabkommen.

Datum

Gesprächspartner Russlands

Gegenstand

13.05.2022

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin – Sergej Schoigu

Telefonat mit der Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand in der Ukraine.

30.06.2022

Joko Widodo – Putin

Indonesiens Präsident übermittelt Putin persönlich eine Botschaft Selenskyjs und bietet Vermittlung zwischen beiden Staatschefs an.

19.07.2022

Erdoğan – Putin

Persönliches Treffen in Teheran über die Erleichterung ukrainischer Getreideexporte und weitere Kriegsfolgen.

05.08.2022

Erdoğan – Putin

Gespräche in Sotschi über den Ukrainekrieg, die Getreidevereinbarung und bilaterale Beziehungen.

22.09.2022

IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi – Lawrow

Verhandlungen über die Einrichtung einer Sicherheitszone um das Kernkraftwerk Saporischschja.

11.10.2022

Grossi – Putin

Persönliches Treffen in St. Petersburg zur nuklearen Sicherheit in Saporischschja.

11.10.2022

Präsident Mohammed bin Zayed Al Nahyan – Putin

Gespräche über Vermittlung, Gefangenenaustausche und Möglichkeiten einer direkten russisch-ukrainischen Verständigung.

13.10.2022

Erdoğan – Putin

Persönliches Treffen in Astana, unter anderem über die Versorgung mit Getreide und Düngemitteln.

25.10.2022

Umaro Sissoco Embaló – Putin

Der Präsident Guinea-Bissaus und damalige ECOWAS-Vorsitzende spricht über einen Dialog zwischen Moskau und Kiew und reist anschließend zu Selenskyj.

06.03.2024

Grossi – Putin

Zweites persönliches Treffen in Sotschi über die Sicherheit des Kernkraftwerks Saporischschja.

10.07.2025

Rubio – Lawrow

Außenministergespräch in Kuala Lumpur über Möglichkeiten einer Friedensregelung.

24.09.2025

Rubio – Lawrow

Erneutes persönliches Gespräch in New York über die Ergebnisse des Alaska-Gipfels und den weiteren Friedensprozess.

Dezember 2025, vor dem 26.12.

Juri Uschakow – Vertreter der US-Regierung

Telefonische Kontakte über überarbeitete amerikanische Friedensvorschläge. Der genaue Tag ist nicht öffentlich gesichert.

29.12.2025

Trump – Putin

Weiteres Telefonat über die Friedensverhandlungen. Putin erhebt einen von der Ukraine bestrittenen Vorwurf eines Angriffs auf eine russische Präsidentenresidenz.

Die indonesischen, türkischen und emiratischen Kontakte sind durch amtliche Mitteilungen der jeweiligen Staaten bestätigt. Die Treffen mit Grossi sind insbesondere durch Dokumentationen der IAEA beziehungsweise zeitgenössische Berichte über dessen Tätigkeit belegt. Auch die Vermittlungsinitiative des Präsidenten von Guinea-Bissau, die beiden zusätzlichen Rubio-Lawrow-Treffen sowie die Gespräche vom Dezember 2025 sind dokumentiert.

 

VII. Welche Friedensinitiativen dürfen nicht als direkte Gespräche mit Russland gezählt werden?

Für die historische und politische Bewertung ist die Unterscheidung wesentlich. Insbesondere folgende Veranstaltungen waren wichtige Friedensinitiativen, aber keine Verhandlungen mit Putin oder einer russischen Delegation:

Veranstaltung

Warum nicht als direktes Russlandgespräch erfasst?

Ukrainische Zehn-Punkte-Friedensformel, vorgestellt 2022

Ukrainisches politisches Programm, nicht das Ergebnis einer Vereinbarung mit Russland.

Ukraine-Friedensgipfel auf dem Bürgenstock, 15.–16.06.2024

Russland nahm nicht teil.

Europäische und amerikanisch-ukrainische Gespräche in Paris, London und Dschidda 2025

Es handelte sich um Abstimmungen über Vorschläge an Russland, nicht um unmittelbare Verhandlungen mit russischen Vertretern.

„Koalition der Willigen“, seit März 2025

Gespräche über militärische Unterstützung und Sicherheitsgarantien, ohne russische Beteiligung.

Gespräche in Genf, 23.–24.11.2025

Überarbeitung des amerikanischen Friedensplanentwurfs durch die USA, Ukraine und europäische Partner.

Gespräche in Berlin, 14.–15.12.2025

Erörterung von Sicherheitsgarantien und Friedensbedingungen ohne Teilnahme Russlands.

Diese Differenzierung ist wichtig, weil andernfalls eine große Anzahl von Konferenzen den unzutreffenden Eindruck erzeugen würde, dort sei unmittelbar mit Putin über eine Kriegsbeendigung verhandelt worden.

 

VIII. Gesamtbewertung der Friedensdiplomatie seit Februar 2022

Die dokumentierten Gespräche ergeben ein relativ klares Bild.

Erstens: Es hat seit dem 24. Februar 2022 wiederholt direkte diplomatische Versuche gegeben, Putin zur Beendigung des Krieges zu bewegen. Dazu gehören zahlreiche Kontakte führender europäischer Regierungschefs im Jahr 2022, Vermittlungen der Türkei, Israels, Chinas, Indiens und afrikanischer Staaten sowie seit Februar 2025 die besonders intensive amerikanische Friedensdiplomatie.

Zweitens: Der Befund, mit Putin sei seit Kriegsbeginn überhaupt nicht verhandelt worden, ist deshalb historisch nicht haltbar. Ebenso wenig wäre allerdings die Behauptung zutreffend, jedes dieser Gespräche habe eine konkrete Chance auf einen umfassenden Friedensvertrag eröffnet. Zahlreiche Kontakte dienten zunächst der Sondierung, der Übermittlung von Positionen oder der Lösung begrenzter humanitärer Probleme.

Drittens: Tatsächliche Verhandlungsergebnisse gab es insbesondere auf humanitärem Gebiet. Dazu zählen die Schwarzmeer-Getreideinitiative von 2022, wiederholte Gefangenenaustausche sowie örtlich und zeitlich begrenzte Waffenruhen. Eine Vereinbarung über die wesentlichen politischen Streitfragen wurde bislang nicht erzielt.

Viertens: Die zentralen Hindernisse sind über die Jahre weitgehend dieselben geblieben. Russland beansprucht ukrainische Gebiete und verlangt Beschränkungen der sicherheitspolitischen Entscheidungsfreiheit der Ukraine. Die Ukraine lehnt die erzwungene Abtretung ihres Staatsgebiets ab und fordert belastbare Sicherheitsgarantien. Dazwischen liegen erhebliche Differenzen über die Reihenfolge von Waffenstillstand, Truppenrückzug, territorialer Regelung und dauerhafter Friedensordnung.

Fünftens: Die diplomatische Rolle Europas hat sich verändert. Während Macron und Scholz 2022 unmittelbar mit Putin telefonierten, führten ab 2025 vor allem die USA die entscheidenden direkten Verhandlungen. Der Kontakt von Stubb und Støre am 27. Oktober 2026 zeigt den Versuch, europäische Staats- und Regierungschefs wieder stärker in die unmittelbare Diplomatie einzubeziehen.

Völkerrechtlich ist dabei zwischen einem Waffenstillstand und einem Friedensvertrag zu unterscheiden. Eine Einstellung der Kampfhandlungen allein entscheidet weder über die völkerrechtliche Zugehörigkeit besetzter Gebiete noch über die Verantwortlichkeit für die Verletzung des Gewaltverbots gemäß Art. 2 Abs. 4 UN-Charta. Eine Friedensregelung muss diese Fragen nicht zwingend sämtlich gleichzeitig abschließend lösen; sie darf jedoch nicht mit der rechtlichen Anerkennung einer durch Gewalt erzwungenen Gebietsänderung gleichgesetzt werden.

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