Bautz und Ares kehren zurück
Zwei Reisende und die Geheimnisse Frankreichs
Es war ein wunderschöner Herbstnachmittag auf der Verfassungswiese. Die Sonne schien durch die Bäume, Gaius sortierte seine Stöcke, Eddi kontrollierte die Frösche am Teich, und Lump lag zufrieden auf dem Rücken und hoffte, dass irgendjemand auf die Idee kommen würde, ihn zu bürsten. Balder döste in der Morgensonne, während Ajax, der Professor und Hüter der Verfassung, gerade über die Frage nachdachte, ob eine Wiese auch dann eine gute Wiese sei, wenn ihre Bewohner gelegentlich andere Wiesen besuchten.
Da ertönte plötzlich vom Eingang her ein aufgeregtes Bellen.
„Sie sind wieder da! Sie sind wieder da!“
Axel war der Erste, der losrannte. Hinter ihm stürmten Bossi, Caius und Gaius heran, und selbst Balder erhob sich erstaunlich schnell von seinem Sonnenplatz.
Tatsächlich! Dort standen Bautz und Ares, die beiden Frankreichreisenden, etwas müde, aber mit glänzenden Augen, wedelnden Schwänzen und einem ganz besonderen Duft im Fell. Es roch nach Pinien, Lavendel, warmen Steinen, Meer und einer ganzen Menge unbekannter Dinge.
„Na endlich!“, rief Lump. „Wir haben schon gedacht, ihr wolltet Franzosen werden!“
„Das haben wir kurz überlegt“, antwortete Bautz vergnügt. „Aber dann haben wir festgestellt, dass es dort keine Verfassungswiese gibt.“
„Und keine richtigen Schweineohrenverstecke“, ergänzte Ares.
Ajax trat würdevoll vor. „Willkommen zurück! Ich hoffe, ihr habt nicht nur fremde Gerüche, sondern auch neue Erkenntnisse mitgebracht.“
„Professor“, sagte Bautz, „wir haben so viel erlebt, dass wir mindestens drei Tage erzählen müssen!“
Und so versammelte sich die gesamte Dackelbande unter der großen Eiche. Bautz und Ares bekamen die besten Plätze, und Ajax eröffnete feierlich die erste Sitzung des Reiseausschusses der Verfassungswiese.
Bautz begann mit der Provence.
„Stellt euch vor“, erzählte er, „dort ist es warm, unglaublich warm! Überall duftet es nach Kräutern, die Büsche riechen anders, die Erde ist trocken, und wenn man sich in die Sonne legt, wird der Rücken so angenehm warm, dass man überhaupt nicht mehr aufstehen möchte.“
„Das klingt hervorragend“, murmelte Balder.
„Und die Hunde!“, rief Ares. „Wir haben so viele Hunde kennengelernt! Große, kleine, langhaarige, kurzhaarige, weiße, schwarze und sogar solche, die aussahen, als hätten sie noch nie in ihrem Leben einen ordentlichen Dackel gesehen.“
„Wie haben sie reagiert?“, fragte Bossi.
„Alle ausgesprochen freundlich“, berichtete Bautz. „Sie haben geschnuppert, gewedelt und uns begrüßt. Manche wollten spielen, andere nur ein bisschen schnuppern. Keiner hat gefragt, warum unsere Beine so kurz sind!“
„Das“, erklärte Ajax, „nennt man internationale Verständigung. Man begegnet einander mit Respekt, auch wenn man unterschiedlich aussieht.“
„Und was ist mit den Restaurants?“, wollten Lump und Axel wissen, die sich vor allem für die kulinarischen Seiten des Reisens interessierten.
Jetzt strahlte Ares.
„Das war vielleicht das Beste! Fast überall, wo wir mit am Tisch saßen, kam jemand und stellte uns eine Schüssel mit frischem Wasser hin. Einfach so! Ohne dass wir bellen oder betteln mussten!“
„Unglaublich“, staunte Caius.
„Manchmal bekamen wir sogar das Wasser, bevor die Menschen ihre Getränke hatten“, fügte Bautz stolz hinzu.
Ajax nickte anerkennend. „Das ist eine bemerkenswerte Form der Gastfreundschaft. Ein Land, in dem man auch an die Bedürfnisse der Vierbeiner denkt.“
„Aber“, sagte Ares und wurde plötzlich ernst, „es gab auch eine große Enttäuschung.“
Alle sahen ihn gespannt an.
„Das Meer!“
„Was war mit dem Meer?“, fragte Eddi, der sich sofort für jede Art von Wasser interessierte.
„Wunderschön“, berichtete Bautz. „Blau, glitzernd, riesig. Viel größer als unser Teich. Und an der Côte d’Azur gab es Strände, an denen man wunderbar hätte buddeln können.“
„Und?“, fragte Gaius.
„Wir durften nicht!“
Betretenes Schweigen.
„Nicht buddeln?“, fragte Lump ungläubig.
„Nicht einmal ein kleines Loch?“, wollte Axel wissen.
„An vielen Stränden durften Hunde überhaupt nicht hin“, erklärte Ares. „Da standen Schilder. Und wir mussten draußen bleiben.“
Eddi schüttelte fassungslos den Kopf. „Ein ganzes Meer voller Wasser, und man darf nicht hinein?“
„Genau“, sagte Bautz. „In Dänemark ist das anders. Da konnten wir am Strand buddeln, durch den Sand laufen und sogar schwimmen. Aber hier mussten wir das Meer leider nur anschauen.“
Ajax überlegte einen Moment.
„Nun“, sagte er schließlich, „das ist eine interessante Erkenntnis. Ein Land kann in einer Hinsicht ausgesprochen hundefreundlich sein und in einer anderen ziemlich restriktiv. Offenbar ist die französische Gastfreundschaft am Restauranttisch großzügiger als am Badestrand.“
Ares hatte noch eine ganz besondere Geschichte zu erzählen.
„Ihr werdet nicht glauben, was wir dort gesehen haben. Tiere, die an Wänden hochlaufen!“
Eddi sprang auf. „Frösche?“
„Nein! Geckos!“
„Was sind denn Geckos?“, fragte Gaius.
„Kleine Tiere mit vier Beinen und einem langen Schwanz. Sie huschen blitzschnell über Mauern, sitzen auf warmen Steinen und verschwinden in winzigen Ritzen. Und das Verrückteste ist: Sie können senkrecht an Wänden laufen!“
Eddi war begeistert.
„Und wenn man sie erschreckt, springen sie ins Wasser?“
„Nein“, sagte Bautz. „Sie laufen einfach die Wand hoch.“
Eddi dachte lange nach.
„Das ist enttäuschend. Ein Tier, das nicht ins Wasser springt, wenn man hinter ihm herläuft, ist doch irgendwie unpraktisch.“
„Aber sehr geschickt“, erklärte Ajax. „Geckos besitzen besondere Haftstrukturen an ihren Zehen. Damit können sie selbst auf glatten Flächen laufen.“
„Dann brauchen sie ja überhaupt keine Treppen“, staunte Lump.
„Richtig“, sagte Ajax.
„Das wäre auch etwas für uns“, meinte Bossi.
„Mit unserem langen Rücken?“, fragte Balder streng. „Auf gar keinen Fall!“
Damit war das Thema Geckoklettern für die Dackelbande vorläufig erledigt.
Doch plötzlich begann Bautz, sich heftig am Hinterbein zu kratzen.
„Was hast du denn?“, fragte Caius.
„Ein französisches Souvenir“, knurrte Bautz.
Ares grinste. „Davon haben wir mehrere mitgebracht.“
Und tatsächlich: In ihrem dichten Rauhaarfell steckten winzige, stachelige Pflanzenteile, wie sie auf der Verfassungswiese noch niemand gesehen hatte.
„Kletten!“, rief Lump begeistert.
„Aber ganz andere als bei uns“, erklärte Ares. „Man läuft nur an einem trockenen Busch vorbei, und schon hängen einem diese kleinen Dinger im Fell. Manche sitzen so fest, dass man sie kaum wieder herausbekommt.“
Lump betrachtete die fremden Kletten mit großem Interesse.
„Das bedeutet doch, dass ihr jetzt gebürstet werden müsst!“
„Leider“, seufzte Bautz.
„Herrlich!“, rief Lump. „Dann lege ich mich gleich daneben. Vielleicht werde ich auch gebürstet.“
Ajax untersuchte eine der Kletten und nickte nachdenklich.
„Sehr interessant. Die Pflanzen haben offenbar eine ausgezeichnete Methode entwickelt, ihre Samen zu verbreiten. Sie benutzen reisende Tiere als Transportmittel.“
„Dann haben wir also französische Pflanzen nach Deutschland geschmuggelt?“, fragte Bossi erschrocken.
„Nur bis zur Bürste“, beruhigte ihn Ajax. „Und genau dort sollten sie auch bleiben. Fremde Pflanzensamen muss man schließlich nicht unbedingt auf unserer Wiese aussäen.“
Nun wollte Gaius wissen, was die beiden denn eigentlich mitgebracht hätten.
Bautz sah Ares an.
Ares sah Bautz an.
Beide wedelten.
„Einen Stock?“, fragte Gaius hoffnungsvoll.
„Nein.“
„Ein Schweineohr?“, fragte Axel.
„Auch nicht.“
„Einen Gecko?“, fragte Eddi.
„Schon gar nicht!“
„Was denn dann?“, riefen alle durcheinander.
Bautz richtete sich auf.
„Wir haben gesehen, dass die Welt viel größer ist als unsere Verfassungswiese. Dass es überall freundliche Hunde gibt, dass Menschen in fremden Ländern ganz unterschiedlich mit uns umgehen, dass man manchmal Dinge nicht darf, die zu Hause selbstverständlich sind, und dass es Tiere gibt, von denen wir noch nie etwas gehört haben.“
Ares ergänzte: „Und wir haben gelernt, dass man sich bei Wärme über eine Schüssel Wasser manchmal genauso freuen kann wie über ein Schweineohr.“
„Fast genauso“, warf Axel ein.
„Und“, sagte Bautz jetzt etwas leiser, „wir haben gelernt, wie schön es ist, wieder nach Hause zu kommen.“
Für einen Augenblick wurde es still.
Balder sah die beiden freundlich an. Lump rückte ein Stück näher, Caius wedelte zufrieden, und Gaius beschloss, dass er seinen schönsten Stock zur Begrüßung ganz besonders dekorativ abzulegen.
In der Abendsonne lag die Dackelbande wieder vollständig auf ihrer geliebten Verfassungswiese. Bautz schlief zufrieden unter dem Trampolin, Ares hatte bereits ein neues Versteck für seinen nächsten Schatz gefunden und lag bei Bautz, und Eddi beobachtete die Frösche am Teich mit einer gewissen Erleichterung. Wenigstens diese Tiere wussten noch, was man zu tun hatte, wenn ein Dackel angelaufen kam.
Und damit war die Dackelbande endlich wieder vollständig.

