Bella, Sunny und Lord Helmchen zu Besuch auf der Verfassungswiese
An einem sonnigen Samstagnachmittag lag die Verfassungswiese ruhig unter einem strahlend blauen Himmel. Das hohe Gras bewegte sich sanft im Wind, Libellen schwirrten über den Teich, und irgendwo quakte ein Frosch, der ganz genau wusste, dass Eddy ihn früher oder später entdecken würde.
Die Dackelbande hatte sich wie so oft auf der Wiese verteilt. Ajax, der Professor und Hüter der Verfassung, lag unter seinem Lieblingsbaum und beobachtete aufmerksam alles, was um ihn herum geschah. Ares hielt wie immer Ausschau nach allem, was interessant sein könnte. Gaius kontrollierte zufrieden seinen stattlichen Stockhaufen, während Lump daneben saß und überlegte, ob ein besonders krummer Ast vielleicht doch noch zu seiner eigenen Sammlung passen würde. Caius schlenderte gemächlich über die Wiese, und Eddy ließ mit großer Begeisterung den einen oder anderen Frosch mit einem fröhlichen Satz zurück ins Wasser springen.
Da erschien Besuch.
Als Erste kam Sunny, ein kleiner schneeweißer Hund mit fröhlich wedelnder Rute. Kaum hatte Bautz seine beste Freundin entdeckt, flitzte er los.
„Sunny!“, bellte Bautz begeistert.
„Bautz!“, bellte Sunny genauso begeistert zurück.
Innerhalb weniger Augenblicke jagten beide in großen Kreisen über die Verfassungswiese. Mal führte Bautz, mal Sunny, dann wieder rannten sie nebeneinander, als gäbe es keinen schöneren Ort auf der Welt als genau diese Wiese.
Kurz darauf kam Bella. Sie war etwas höherbeinig als die Dackel, tiefschwarz und voller Energie. Ohne lange zu überlegen setzte sie zu einem gewaltigen Sprint an.
„Was für eine herrliche Wiese!“, schien jeder ihrer Sprünge zu sagen. Sie lief Bögen, drehte Pirouetten, raste den kleinen Hügel hinauf und ebenso schnell wieder hinunter. Ares beobachtete sie schmunzelnd.
„Ich glaube“, sagte er, „Bella misst gerade nach, ob unsere Wiese wirklich so groß ist, wie wir immer behaupten.“ „Wenn sie fertig ist, wissen wir es ganz genau“, meinte Caius trocken. Doch dann geschah etwas, das selbst Bella langsamer werden ließ. Ganz gemächlich näherte sich Lord Helmchen, den alle einfach Toto nannten.
Es war eine stattliche Landschildkröte mit einem wunderschön gezeichneten Panzer. Schritt für Schritt setzte sie ihre kleinen Füße ins Gras, völlig unbeeindruckt vom fröhlichen Durcheinander der Hunde.
Die gesamte Dackelbande wurde still.
Selbst Bautz und Sunny bremsten ihre Verfolgungsjagd. Bella setzte sich neugierig davor. Eddy kam sogar vom Teich herüber. Gaius vergaß für einen Moment seine Stöcke. Lump legte den eben gefundenen Ast wieder ins Gras.
Alle bildeten einen kleinen Kreis um Toto.
„Er bewegt sich wirklich langsam“, flüsterte Eddy.
„Aber er bewegt sich“, antwortete Ares.
Lord Helmchen hob langsam den Kopf. Er schaute einen Dackel nach dem anderen freundlich an und marschierte unbeirrt weiter, als hätte er einen sehr wichtigen Termin.
Da räusperte sich Ajax. Wie immer hörten alle zu.
„Seht euch Lord Helmchen einmal genau an.“
Alle blickten auf die Schildkröte.
„Viele glauben“, begann Ajax ruhig, „Geschwindigkeit sei das Wichtigste. Aber Geschwindigkeit entscheidet nur darüber, wann man irgendwo ankommt. Sie sagt nichts darüber aus, wo man am Ende landet.“
Bella legte den Kopf schief. Sunny setzte sich neben Bautz. Ajax fuhr fort:
„Ein kluger Weg braucht Richtung. Ein guter Freund braucht Vertrauen. Und ein starkes Herz braucht Geduld. Lord Helmchen besitzt von allem etwas. Deshalb kommt er zuverlässig an sein Ziel.“
Toto machte genau in diesem Moment einen weiteren kleinen Schritt.
„Noch etwas“, sagte Ajax lächelnd.
„Auf der Verfassungswiese darf jeder seinen eigenen Gang gehen. Der eine rennt wie Bella. Der andere sammelt Stöcke wie Gaius. Eddy begeistert Frösche zum Springen. Bautz und Sunny zeigen, wie schön Freundschaft sein kann. Und Lord Helmchen erinnert uns daran, dass Ruhe niemals Schwäche ist.“
Alle nickten. Sogar Bella blieb für einen ganzen Moment still sitzen.
Dann sprang sie plötzlich wieder auf. „Genug nachgedacht! Wer kommt mit?“
Sunny war sofort dabei. Bautz natürlich auch. Ares, Caius und Lump schlossen sich an, und sogar Gaius nahm einen besonders schönen langen Stock mit, „für später“, wie er erklärte.
Lord Helmchen marschierte währenddessen unbeirrt weiter.
„Wir sehen uns gleich am anderen Ende der Wiese!“, rief Eddy.
Lord Helmchen antwortete nicht. Aber Ajax lächelte. „Keine Sorge“, sagte der Professor. „Wer seinen Weg kennt, braucht sich niemals zu beeilen.“
Und so verbrachten die Dackelbande, Sunny, Bella und Lord Helmchen einen fröhlichen Samstagnachmittag auf der Verfassungswiese – jeder auf seine ganz eigene Weise, aber alle gemeinsam. Denn genau das war seit jeher das schönste Geheimnis der Verfassungswiese: Hier musste niemand so sein wie die anderen. Hier durfte jeder einfach der sein, der er war.

