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Eddi und der Seerosenteich

Eddi und der Seerosenteich

Eddi auf den Seerosen

Am frühen Abend lag die Verfassungswiese in jenem goldenen Licht, das alles ein wenig friedlicher erscheinen ließ. Der Teich war fast spiegelglatt. Nur gelegentlich durchbrach ein leises Plopp die Oberfläche, wenn ein Frosch mit einem eleganten Satz im Wasser verschwand.

Und genau deshalb war Eddi hier.

Es gab für ihn kaum etwas Schöneres, als vorsichtig am Ufer entlangzuschleichen und die Frösche zu überraschen. Nicht, weil er ihnen etwas Böses wollte – ganz im Gegenteil. Eddi war fest davon überzeugt, dass Frösche nur dann richtig zufrieden waren, wenn sie mit einem möglichst spektakulären Sprung im Wasser landeten. Er verstand sich gewissermaßen als ehrenamtlicher Sprungkoordinator.

Ein Frosch saß auf einem Stein.

Eddi schlich sich heran.

Plopp!

„Ausgezeichnet“, murmelte Eddi zufrieden.

Der nächste Frosch saß zwischen den Schilfhalmen.

Plopp!

„Sehr schön. Perfekte Flugbahn.“

So ging das eine ganze Weile. Jeder Frosch sprang, Eddi nickte anerkennend, und der Abend verlief ganz nach seinem Geschmack.

Dann fiel sein Blick auf die kleine Seeroseninsel mitten im Teich. Zwischen den großen Seerosenblättern ragte ein einzelner Grasbüschel empor.

Eddi legte den Kopf schief.

„Von dort aus“, überlegte er, „müsste man die Frösche doch noch viel besser beobachten können.“

Ein durchaus vernünftiger Gedanke. Zumindest erschien er Eddi vernünftig.

Er watete ins Wasser, paddelte los und schlängelte sich vorsichtig zwischen den Seerosen hindurch. Die großen Blätter wippten leicht, während er sich langsam der kleinen Insel näherte.

Mit einem letzten kräftigen Paddelschlag erreichte er sie. Er zog sich auf den kleinen Grasbüschel hinauf. Es war tatsächlich ein hervorragender Aussichtspunkt.

„Nicht schlecht“, sagte Eddi zufrieden.

Er drehte sich einmal im Kreis. Er beobachtete einen Frosch.

Noch einen.

Und noch einen.

Dann schaute er zum Ufer.

Das Ufer war plötzlich erstaunlich weit weg.

Eddi blickte auf das Wasser.

Zwischen ihm und dem Land verliefen überall dicke Seerosenstängel unter der Oberfläche. Er wusste genau, dass sich Dackelpfoten und Beine darin verfangen konnten. Schon oft hatte Ajax erklärt, dass man solche Bereiche lieber meidet.

„Hm“, sagte Eddi.

Er setzte sich.

„Das hätte ich vielleicht vorher bedenken sollen.“

Am Ufer erschien in diesem Moment Ares.

Der junge Dackel hatte Eddi beobachtet und wedelte zunächst begeistert.

„Hallo, Eddi!“

Eddi hob nur vorsichtig eine Pfote.

„Ich würde ja zurückkommen… wenn ich wüsste, wie.“

Ares verstand sofort, dass dies keine gewöhnliche Unterhaltung war.

„Nicht bewegen!“, rief er. „Ich hole Ajax!“

Mit Höchstgeschwindigkeit raste Ares über die Verfassungswiese. Keine Minute später kam er mit Ajax und Gaius zurück.

Ajax betrachtete die Lage mit der Ruhe eines Professors.

„Genau das habe ich befürchtet“, sagte er und setzte sich ans Ufer.

Gaius musterte die Seerosen.

„Die Stängel sind heute besonders dicht.“

Ajax nickte.

„Wenn Eddi einfach losschwimmt, kann er sich darin verfangen. Das Risiko gehen wir nicht ein.“

Eddi saß derweil möglichst würdevoll auf seiner winzigen Insel.

„Ich genieße einfach noch etwas die Aussicht.“

„Natürlich“, antwortete Gaius grinsend.

Ajax blickte sich aufmerksam um. Dann entdeckte Gaius etwas am Wegesrand.

„Moment!“

Er verschwand im Gebüsch und kam wenige Augenblicke später mit einem außergewöhnlich langen Stock zurück.

Ajax lächelte.

„Manchmal hat deine Leidenschaft für lange Stöcke tatsächlich einen praktischen Nutzen.“

Gaius war sichtlich stolz.

Gemeinsam schoben sie den langen Stock vorsichtig über die Wasseroberfläche bis zur kleinen Insel.

„Eddi“, rief Ajax, „nicht ins Wasser springen! Pack den Stock mit dem Maul und zieh dich langsam heran. Wir ziehen gleichzeitig.“

Eddi nickte ernst.

Er verbiß sich fest in den Stock.

„Bereit.“

„Langsam!“, sagte Ajax.

Ajax und Gaius zogen Zentimeter für Zentimeter.

Der Stock glitt über die Seerosenblätter hinweg. Eddi rutschte vorsichtig hinterher, ohne tiefer ins Wasser einzusinken.

Ares sprang vor Aufregung am Ufer auf und ab.

„Es klappt! Es klappt!“

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte der Stock das flache Ufer.

Mit einem letzten kleinen Hüpfer stand Eddi wieder sicher auf festem Boden.

Er schüttelte sich ausgiebig.

„Das“, sagte er mit großer Ernsthaftigkeit, „war selbstverständlich ein wissenschaftlicher Versuch zur Tragfähigkeit kleiner Seeroseninseln.“

Ajax nickte.

„Das Ergebnis lautet?“

Eddi dachte kurz nach.

„Die Insel trägt einen Dackel hervorragend.“

„Und der Rückweg?“, fragte Gaius.

Eddi blickte verlegen vor sich hin: „Sollte möglichst vorher geplant werden.“

Ares lachte so sehr, dass er sich ins Gras plumpsen ließ.

Ajax lächelte.

„Dann merken wir uns heute drei Dinge: Erstens sind Frösche auch vom Ufer aus zu beobachten. Zweitens sind Seeroseninseln keine Aufenthaltsorte für Dackel. Und drittens…“

Er blickte zu Gaius.

„…ein langer Stock kann manchmal wichtiger sein als jede Theorie.“

Gaius strahlte über beide Ohren.

„Das wusste ich schon immer.“

Und während die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwand, gingen die vier Dackel gemeinsam nach Hause – und die Frösche durften den Rest des Abends ganz ohne zusätzliche Sprunghilfe ins Wasser hüpfen.

 

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