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HyScale100 ist gescheitert SH muss Energiepolitik neu justieren

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HyScale100 ist gescheitert SH muss Energiepolitik neu justieren

Wasserstoff

Das Aus des Wasserstoff-Großprojekts in Heide ist mehr als ein regionaler Rückschlag: Es legt ein grundsätzliches Problem der deutschen Energiewende offen

Der Sachverhalt

Mit HyScale 100 ist eines der ambitioniertesten Wasserstoffprojekte Schleswig-Holsteins endgültig gescheitert. Das Energiewendeministerium des Landes bestätigte am 12. August 2026 das Aus des in der Region Heide geplanten Großprojekts. Ursprünglich sollten Bund und Land hierfür Fördermittel von insgesamt nahezu 900 Millionen Euro bereitstellen. Nach Angaben des Landes sind aufgrund des Projektabbruchs allerdings keine entsprechenden Landesmittel verloren gegangen.

Die Dimension des Vorhabens war erheblich. Auf dem Gelände beziehungsweise im Umfeld der Raffinerie Heide sollte zunächst eine großindustrielle Elektrolyse aufgebaut werden. In der langfristigen Konzeption war eine Elektrolyseleistung von bis zu 2,1 Gigawatt vorgesehen.

HyScale 100 sollte jedoch weit mehr sein als lediglich eine große Anlage zur Herstellung grünen Wasserstoffs. Vorgesehen war eine industrielle Wertschöpfungskette: Erneuerbarer Strom sollte zur Wasserstoffproduktion eingesetzt werden; zugleich sollte abgeschiedenes CO₂ insbesondere aus der Zementproduktion von Holcim in Lägerdorf mit dem Wasserstoff weiterverarbeitet werden. Daraus sollten unter anderem Grundstoffe für die Chemieindustrie beziehungsweise synthetische Produkte wie Methanol entstehen.

Das Projekt war damit geradezu ein Musterbeispiel für die Vorstellung einer norddeutschen „grünen Industrie“: Windstrom, Elektrolyse, Wasserstoff, CO₂-Nutzung, Raffinerie, Zementindustrie und chemische Wertschöpfung sollten miteinander verbunden werden.

Dabei kam das Scheitern keineswegs überraschend.

Bereits im Februar 2024 teilte die Landesregierung dem Finanzausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtags mit, dass weder der genaue Projektinhalt noch die endgültige Zusammensetzung des Konsortiums und dessen Gesellschafterstruktur feststünden. Das Pränotifizierungsverfahren bei der Europäischen Kommission ruhte.

Noch deutlicher wurde die Lage im Herbst 2025. In den Unterlagen zum Landeshaushalt 2026 wurde ausdrücklich festgehalten, dass wegen der Neuaufstellung des Konsortiums sowie „hoher wirtschaftlicher und regulatorischer Unsicherheit“ bereits 2024 und 2025 keine geförderten Maßnahmen durchgeführt worden waren. Für 2026 waren ebenfalls keine Maßnahmen und keine entsprechenden Kosten mehr vorgesehen.

Das nun erklärte endgültige Aus ist deshalb weniger ein plötzliches Ereignis als der Schlusspunkt einer seit Jahren erkennbaren Entwicklung.

Bemerkenswert ist außerdem die Vorgeschichte: Schon 2023 war mit WESTKÜSTE100 beziehungsweise H2 Westküste ein deutlich kleineres Wasserstoffprojekt in Heide aufgegeben worden. Damals sollte ein Elektrolyseur mit rund 30 MW entstehen. Die beteiligten Unternehmen kamen zu dem Ergebnis, dass sich das Projekt angesichts der Investitionskosten und wirtschaftlichen Risiken trotz Förderung nicht dauerhaft wirtschaftlich betreiben lasse.

HyScale 100 sollte anschließend gewissermaßen den Sprung in die industrielle Dimension schaffen.

Nun ist auch dieses Projekt gescheitert.

Das macht die Angelegenheit wirtschafts- und energiepolitisch erheblich interessanter als den bloßen Fehlschlag eines einzelnen Investitionsvorhabens.


Für Schleswig-Holstein ist HyScale mehr als nur ein gescheitertes Einzelprojekt

Schleswig-Holstein hat seine wirtschaftspolitische Strategie der vergangenen Jahre in erheblichem Umfang auf einen Standortvorteil aufgebaut, der tatsächlich vorhanden ist: Das Land produziert große Mengen erneuerbaren Stroms, insbesondere aus Windenergie.

Die daraus gezogene Schlussfolgerung lautete:

Wo erneuerbare Energie im Überfluss vorhanden ist, muss sich energieintensive Zukunftsindustrie ansiedeln.

Ökonomisch ist dieser Gedanke zunächst plausibel.

Schleswig-Holstein verfügt über Windenergie, Flächen, Häfen, maritime Infrastruktur, Nähe zur Nordsee, Offshore-Anbindungen und Verbindungen nach Skandinavien. Dazu kommen industrielle Standorte wie Brunsbüttel und Heide.

Die Region Heide sollte deshalb geradezu zum Labor einer neuen Energieökonomie werden. Das Land bezeichnet sich weiterhin als potentiellen europäischen Vorreiter bei Erzeugung, Verteilung und Nutzung grünen Wasserstoffs. Das Problem liegt deshalb nicht in der geographischen Ausgangslage. Das Problem liegt darin, dass aus einem energetischen Standortvorteil bislang kein hinreichender betriebswirtschaftlicher Standortvorteil geworden ist. Das ist ein entscheidender Unterschied.


Viel Wind bedeutet noch keinen billigen Wasserstoff

Die zentrale Fehlannahme vieler politischer Wasserstoffkonzepte besteht darin, physikalische Verfügbarkeit und ökonomische Verfügbarkeit von Energie miteinander gleichzusetzen. Schleswig-Holstein erzeugt viel Windstrom. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass ein Elektrolyseur über Tausende Betriebsstunden im Jahr Strom zu international wettbewerbsfähigen Preisen beziehen kann.

Ein Elektrolyseur ist eine kapitalintensive Anlage. Seine Wirtschaftlichkeit hängt wesentlich davon ab,

  • wie hoch die Investitionskosten sind,

  • zu welchem Strompreis produziert werden kann,

  • wie viele Volllaststunden erreicht werden,

  • welche Netzentgelte, Steuern und Abgaben anfallen,

  • wie teuer Finanzierung und Kapital sind,

  • welchen Preis der produzierte Wasserstoff erzielt und

  • ob langfristig verlässliche Abnehmer vorhanden sind.

Hier entsteht ein fundamentales Dilemma. Produziert der Elektrolyseur nur während besonders günstiger Windstromstunden, sinken zwar die variablen Stromkosten. Gleichzeitig verteilt sich die hohe Investition aber auf eine geringere Wasserstoffmenge. Läuft die Anlage dagegen möglichst kontinuierlich, verbessert sich ihre Kapitalauslastung – dann muss jedoch auch in Stunden produziert werden, in denen Strom deutlich teurer ist. Genau dieses Spannungsverhältnis hatte bereits das Vorgängerprojekt H2 Westküste belastet. Die Vorstellung, man müsse lediglich Elektrolyseure neben Windparks errichten und erhalte damit automatisch billigen grünen Wasserstoff, greift deshalb ökonomisch erheblich zu kurz.


HyScale zeigt das eigentliche Problem: Die Energiewende wird vom Ziel her geplant und nicht vom Preis

Deutschland hat seine Energiepolitik in den vergangenen Jahren weitgehend von Klimazielen, Ausbauzielen und technologischen Zielbildern her gedacht. Was dabei häufig erst an zweiter Stelle steht, ist die Frage: Zu welchem Preis kann das daraus entstehende Produkt dauerhaft am Markt angeboten werden?

Für Unternehmen ist aber gerade diese Frage entscheidend. Ein Zementwerk, eine Raffinerie, ein Stahlwerk oder ein Chemieunternehmen benötigt keinen abstrakt „grünen“ Energieträger. Es benötigt einen Energieträger, dessen Preis eine international wettbewerbsfähige Produktion ermöglicht. Genau hier liegt das strukturelle Problem der deutschen Wasserstoffstrategie.Politisch lässt sich definieren, dass Wasserstoff eingesetzt werden soll. Politisch lässt sich fördern, dass Elektrolyseure gebaut werden.

Politisch lässt sich ein Wasserstoffnetz planen.Aber Politik kann die grundlegende Kostenrelation nicht dauerhaft außer Kraft setzen. Wenn aus einer Kilowattstunde Strom über Elektrolyse Wasserstoff hergestellt wird, entstehen zwangsläufig Umwandlungsverluste. Wird dieser Wasserstoff anschließend gespeichert, transportiert, chemisch weiterverarbeitet oder wieder verstromt, entstehen weitere Verluste und Kosten. Wasserstoff ist deshalb kein billiger Ersatz für Strom. Er ist ein hochwertiger, aber kostenintensiver Energieträger und Rohstoff. Sein ökonomisch sinnvoller Einsatz muss sich daher vor allem auf diejenigen Bereiche konzentrieren, in denen eine direkte Elektrifizierung technisch nicht möglich oder volkswirtschaftlich wenig sinnvoll ist.


Das Scheitern von HyScale bedeutet nicht, dass Wasserstoff gescheitert ist

Aus dem Scheitern von HyScale folgt nicht, dass Wasserstofftechnologie grundsätzlich ungeeignet wäre.

Im Gegenteil. Wasserstoff wird voraussichtlich eine bedeutende Rolle spielen bei

  • chemischen Grundstoffen,

  • Raffinerieprozessen,

  • Teilen der Stahlproduktion,

  • bestimmten Hochtemperaturprozessen,

  • synthetischen Kraftstoffen,

  • langfristiger Energiespeicherung und

  • möglicherweise der Absicherung eines zunehmend erneuerbaren Stromsystems.

Das Problem besteht nicht im Wasserstoff selbst. Das Problem besteht in der Vorstellung, Wasserstoff könne kurzfristig durch Förderprogramme zu einem breit verfügbaren und preiswerten Energieträger gemacht werden. Technologische Notwendigkeit ist nicht dasselbe wie betriebswirtschaftliche Rentabilität. Diese Unterscheidung ist für eine rationale Energiepolitik elementar.


Besonders problematisch für SH: Erst Northvolt, jetzt HyScale

Für Schleswig-Holstein bekommt die Entwicklung zusätzlich eine industriepolitische Dimension. Die Landespolitik hatte insbesondere die Westküste zu einem Schwerpunkt einer neuen klimaneutralen Industriepolitik erklärt. Northvolt in Heide und HyScale waren dabei keine gewöhnlichen Einzelinvestitionen. Sie standen symbolisch für ein wirtschaftspolitisches Konzept:

Erneuerbare Energie sollte zum Rohstoff einer neuen industriellen Wertschöpfung Schleswig-Holsteins werden.

Mit dem Scheitern beziehungsweise der Abwicklung zentraler Großprojekte gerät deshalb nicht nur jeweils ein Unternehmen oder Projekt unter Druck. Es gerät die dahinterstehende industriepolitische Strategie unter Rechtfertigungsdruck. Auch die aktuelle politische Debatte im Land verbindet ausdrücklich das Scheitern von Northvolt und HyScale mit der Frage nach der Tragfähigkeit der Klimaneutralitätsstrategie Schleswig-Holsteins.

Das ist für Schleswig-Holstein besonders relevant. Denn das Land verfügt nur begrenzt über große industrielle Wertschöpfungszentren. Wenn Milliardenprojekte angekündigt werden, richten Kommunen, Infrastrukturunternehmen, Grundstückseigentümer, Netzbetreiber, Bildungseinrichtungen und andere Unternehmen ihre Planungen darauf aus. Es entstehen Erwartungen.

  • Flächen werden reserviert.
  • Netze werden geplant.
  • Verkehrsinfrastruktur wird angepasst.
  • Arbeitskräfte werden gesucht und ausgebildet.
  • Kommunen rechnen mit Gewerbesteuern und zusätzlicher Bevölkerung.

Je größer ein politisch flankiertes Projekt dargestellt wird, desto größer sind deshalb auch die mittelbaren volkswirtschaftlichen Kosten seines Scheiterns – selbst wenn die eigentliche Fördersumme am Ende nicht ausgezahlt worden ist.


Dass die Fördermittel nicht verloren sind, ist wichtig – aber nicht die entscheidende Frage

Nach Angaben des Landes sind durch das Aus von HyScale keine entsprechenden Fördermittel verloren gegangen. Das unterscheidet den Fall erheblich von einer fehlgeschlagenen Subvention, bei der bereits hohe öffentliche Mittel unwiederbringlich ausgezahlt wurden. Damit darf die wirtschaftspolitische Analyse jedoch nicht enden. Entscheidend ist vielmehr die Frage:

Warum war ein Projekt selbst bei einer in Aussicht gestellten Förderung von insgesamt nahezu 900 Millionen Euro offenbar nicht hinreichend tragfähig?

Diese Frage ist für die Energiepolitik wesentlich interessanter als die bloße Feststellung, dass der Steuerzahler die bereitgestellte Summe nicht verloren hat. Denn wenn ein Projekt trotz einer derart erheblichen potentiellen staatlichen Unterstützung nicht investitionsfähig wird, spricht viel dafür, dass nicht lediglich eine Finanzierungslücke bestand. Dann liegt möglicherweise ein strukturelles Geschäftsmodellproblem vor.


Das Förderparadox der deutschen Wasserstoffpolitik

Damit zeigt HyScale ein grundsätzliches Problem moderner Industriepolitik. Der Staat versucht, einen wirtschaftlich noch nicht tragfähigen Markt durch Subventionen zu schaffen. Dafür fördert er gleichzeitig

  • Produktion,

  • Infrastruktur,

  • Netze,

  • industrielle Umstellung,

  • Forschung,

  • Abnehmer und teilweise Betriebskosten.

Je stärker dies geschieht, desto schwieriger wird allerdings festzustellen, ob tatsächlich ein wettbewerbsfähiger Markt entsteht oder lediglich eine Förderwirtschaft, deren einzelne Elemente nur funktionieren, solange der Staat die jeweilige Wirtschaftlichkeitslücke übernimmt.

Das ist volkswirtschaftlich problematisch. Subventionen können sinnvoll sein, wenn sie einen temporären Markthochlauf ermöglichen, Lernkurven finanzieren oder positive externe Effekte ausgleichen. Sie sind dagegen problematisch, wenn sie dauerhaft einen strukturellen Preisnachteil kompensieren müssen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

Wie viel Förderung benötigt Wasserstoff?

Sondern:

Unter welchen Bedingungen benötigt Wasserstoff irgendwann keine Förderung mehr?

Auf diese Frage benötigt Deutschland eine wesentlich präzisere Antwort.


Deutschland plant eine milliardenschwere Wasserstoffinfrastruktur

Die Problematik wird noch deutlicher, wenn man die Erzeugungsseite mit der Infrastrukturplanung vergleicht. Die Bundesnetzagentur genehmigte 2024 ein Wasserstoff-Kernnetz mit rund 9.040 Kilometern Leitungslänge und erwarteten Investitionen von rund 18,9 Milliarden Euro. Rund 60 Prozent sollten durch die Umstellung vorhandener Erdgasleitungen entstehen. Im aktuellen Netzentwicklungsplan 2025–2037/2045 wird sogar ein Wasserstofftransportnetz von rund 9.241 Kilometern mit Gesamtkosten von etwa 24,3 Milliarden Euro diskutiert.

Das ist grundsätzlich nachvollziehbar: Ohne Leitungen entsteht kein Wasserstoffmarkt. Aber genau hier erscheint erneut das Henne-Ei-Problem. Ohne Wasserstoffproduktion lohnt sich das Netz nicht. Ohne Netz lohnt sich die Wasserstoffproduktion nicht. Ohne Abnehmer lohnt sich beides nicht. Und ohne wettbewerbsfähigen Wasserstoffpreis investieren die Abnehmer nicht in die Umstellung ihrer Anlagen.

Der Staat versucht deshalb gleichzeitig Angebot, Nachfrage und Infrastruktur hochzufahren.

Das kann funktionieren.

Es kann aber auch dazu führen, dass Milliarden in Infrastruktur investiert werden, deren zugrunde gelegte Mengen später nicht erreicht werden. Das Scheitern großer Erzeugungsprojekte wie HyScale erhöht dieses Risiko.

 


Strom muss dort günstiger werden, wo er tatsächlich produziert wird

Damit führt HyScale zu einer grundsätzlichen Frage des deutschen Strommarktdesigns.

Es ist ökonomisch schwer vermittelbar, wenn eine Region erhebliche Mengen erneuerbaren Stroms erzeugt, Netze durch Einspeisung belastet und gleichzeitig ansässige energieintensive Unternehmen keinen hinreichenden Preisvorteil daraus erzielen können. Ein wesentlicher Teil des Standortvorteils Schleswig-Holsteins wird dadurch nivelliert.

Eine wirtschaftlich konsequentere Energiepolitik müsste deshalb untersuchen, wie Erzeugungsnähe, Netzengpässe und regional vorhandene Überschüsse stärker in Preissignale übersetzt werden können.

Dann entstünde ein marktwirtschaftlicher Anreiz:

Industrie geht dorthin, wo Energie tatsächlich verfügbar und günstig ist.

Das wäre etwas grundlegend anderes als die gegenwärtige Logik: Der Staat versucht zunächst durch ein weitgehend einheitliches Strommarktsystem regionale Preisunterschiede zu begrenzen und anschließend durch Subventionen Industrie gezielt an bestimmte Standorte zu locken. Ökonomisch wäre es häufig effizienter, Preissignale wirken zu lassen.


Wasserstoff sollte vom Förderprojekt zum Marktprodukt werden

Die deutsche Wasserstoffpolitik benötigt deshalb einen Paradigmenwechsel. Nicht die installierte Elektrolyseleistung darf die zentrale Erfolgskennzahl sein. Entscheidend müssen sein:

Produktionskosten pro Kilogramm Wasserstoff, gesicherte Abnahmemengen, private Investitionen und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Ein Elektrolyseur, der nur aufgrund hoher Investitionsförderung errichtet wird, ist noch kein wirtschaftlicher Erfolg. Eine Wasserstoffleitung ohne ausreichende Transportmengen ist ebenfalls kein Erfolg. Und eine industrielle Anlage, deren Energiekosten dauerhaft durch den Staat kompensiert werden müssen, schafft keine nachhaltig wettbewerbsfähige Industrie.


Planungssicherheit ist selbst ein Wirtschaftsfaktor

Die Raffinerie Heide nennt als einen Grund für das Scheitern fehlende Planungssicherheit. Dieser Punkt wird in der energiepolitischen Diskussion häufig unterschätzt. Großindustrielle Investitionen werden über Jahrzehnte kalkuliert. Investoren müssen deshalb abschätzen können:

  • Wie entwickelt sich der Strompreis?
  • Welche Anforderungen gelten für grünen Wasserstoff?
  • Welche Netzentgelte entstehen?
  • Wann steht die Transportinfrastruktur zur Verfügung?
  • Welche CO₂-Preise gelten?
  • Welche Förderinstrumente bleiben bestehen?
  • Welche europäischen Vorgaben ändern sich?
  • Werden Anlagen nach fünf Jahren regulatorisch anders bewertet als zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidung?

Je unsicherer diese Parameter sind, desto höher wird die erforderliche Risikoprämie. Damit steigen die Kapitalkosten. Und damit kann selbst ein technisch sinnvolles Projekt wirtschaftlich unrentabel werden.

Regulatorische Unsicherheit hat einen Preis.

Dieser Preis erscheint zwar in keinem Staatshaushalt. Er wird aber in jeder Investitionsrechnung berücksichtigt.


Die Energiewende entscheidet sich nicht an Förderbescheiden, sondern an Investitionsentscheidungen

Die zentrale Aufgabe besteht darin, aus günstiger erneuerbarer Energie wettbewerbsfähige Wertschöpfung zu machen. Wasserstoff kann dabei eine wichtige Rolle spielen. Aber Wasserstoff ist kein Selbstzweck.

Die entscheidende Kennzahl der Energiewende darf deshalb nicht sein, wie viele Gigawatt Elektrolyseleistung angekündigt, wie viele Milliarden Euro Förderung bereitgestellt oder wie viele Kilometer Wasserstoffleitungen geplant worden sind.

Entscheidend ist, ob Unternehmen bereit sind, eigenes Kapital zu investieren, weil sie darauf vertrauen können, mit dieser Infrastruktur und diesen Energiepreisen dauerhaft wettbewerbsfähig zu produzieren.

Eine Energiepolitik kann Investitionen fördern. Sie kann Infrastruktur bereitstellen und CO₂-Emissionen mit einem Preis versehen. Sie kann aber auf Dauer keine Wirtschaftlichkeit verordnen.

 

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